Review - Tom Russel und Andrew Hardin

 

Tom Russel und Andrew Hardin

18. Juni 2005, im Dolder 2 in Feuerthalen

 

Tom Russel und Andrew HardinEs gibt nur wenige Singer/ Songwriter, die auch ausserhalb ihrer Fangemeinde bekannt werden. Tom Russel ist zweifellos einer dieser Ausnahmeerscheinungen aus diesem Genre. Seine Songs schreibt er in der Regel selbst oder wählt sie zielsicher aus dem Angebot seiner Musikerkollegen. Russell singt kraftvoll und energiegeladen, wo es nötig ist, einfühlsam und behutsam, wo man das erwartet. Keinesfalls fehlen darf dabei das brillante Gitarrenspiel von Andrew Hardin, der Russell bereits seit rund 20 Jahren begleitet.

Aber auch das Dolder 2 ist eine Ausnahmeerscheinung. Der unkomplizierte Tom Luley verwandelt sein Lokal des öftern in eine Musikarena mit besonderen Leckerbissen. Eng gestuhlt gehen da mühelos 30 Zuhörer ins Konzertzimmer und von der Bar aus können nochmals annähernd so viele Leute der Musik lauschen. An den Wänden hängt Schrott im wahrsten Sinne, aber ich denke das ist Kunst, jedenfalls ergibt sich eine einmalige, lockere Atmosphäre. In dem Sinn ist das Dolder 2 das perfekte Gegenteil des Dolder in Zürich.

An diesem lauen Samstag kam das Publikum zahlreich. Viele kannten Tom von früheren Auftritten oder sind sonst eingefleischte Fans. Tom trug ein fabrikneues hellblaues Luxuswesternshirt, das ihm aber irgenwie nicht so richtig sass. Aber das hielt ihn nicht davon ab, seine Songs engagiert und poetisch vorzustellen. Wir durften viele Geschichten aus der südwestlichen USA vermischt mit mexikanischen Einflüssen hören. Tragische und traurige Songs, zum Teil, und auch Tom hat sich gefragt warum viele Leute traurige Songs besonders mögen. Natürlich spielte Tom auch frische Uptempo Tunes, bei denen es nicht mehr nötig war jedes Wort verstehen zu wollen. Unterstützt wurde Tom Russel von seinem langjährigen Begleiter Andrew Hardin. Er entlockte seiner Gitarre manch ungewöhnlichen Ton und machte tolle Stimmung mit seinen schnellen, rhythmischen Soli.

Tom mit Bob Dylan oder Johnny Cash zu vergleichen scheint mir etwas gewagt, besonders wenn man seinen kommerziellen Erfolg ansieht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Tom arbeitet jedenfalls unermüdlich an seiner Karriere fern ab vom Mainstream. Sein neues Album, Hotwalker, ist die Erzählung der Amerikanischen Geschichte aus der Sicht von Pionieeren der Beat Musik, von unbekannten Poeten und betrunkenen Engeln durchsetzt gesprochenen Geschichtchen über Bukowski, Ramblin' Jack Elliott und anderen. Die CD hört sich an wie ein Soundtrack zu einem Musical: alternative Amerikanische Geschichte, Jesus Balladen, Karousell Walzer, Folk-Blues, Country, Jazz, .. Übrigens: ein Hotwalker ist ein Mann, der die Pferde nach einem Rennen beruhigt.

Wer besondere Musikerlebnisse liebt, sollte öfters die Agenda des Dolder 2 studieren. In unmittelbarere Nähe zu den Musikern gibt es hier in ungezwungener Atmosphäre Vorführungen, die unter die Haut gehen. 08-15 Country Schlager gibt es hier weniger, dafür engagierte Geschichtenerzähler und erstklassige Musiker. Auch für Überraschungen ist das Dolder 2 bekannt. An diesem Abend war Richard Dobson anwesend und spielte zusammen mit Andrew Hardin ein paar seiner Songs. Tom und Richard sind beides Texaner, die sich schon sehr lange kennen.

 
 
(Bericht und Bilder Arthur Furrer)
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