Review - Country Night Gstaad 2002

 

Country Night Gstaad
September 20th till 22nd 2002
Europe's Top Country Night

 
Nitty Gritty Dirt Band
David Holt
Chely Wright and Clay Walker
Nitty Gritty Dirt Band
David Holt
Chely Wright and Clay Walker

Gstaad ist dieses Jahr seinem Ruf als European-Top-Event wieder einmal voll gerecht geworden. Es waren absolute Spitzenmusiker dort, angeführt von den Legenden der Nitty Gritty Dirt Band.

Aber auch David Holt hat seine Sache gut gemacht. Er war für viele eine positive Überraschung. Kaum jemand kannte ihn vorher, aber allen wird er in Erinnerung bleiben. Er machte das was man „Mountain Music“ nennt. Amerikanische Volksmusik aus den Bergen aus North Carolina. Seine Musik war lüpfig, aufgestellt, engagiert und volksverbunden. Die Band trat als Familienband in Klamotten, wie man sie wahrscheinlich vor 50 Jahren in Amerika trug. Seine Interaktionen mit dem Publikum und seine Geschichten waren Top-Unterhaltung, welche die Leute mit Standing Ovations quittierte. Genau die richtige Band um die Leute in Stimmung zu bringen. Es gab zwar auch Leute die es daneben fanden, aber vielleicht waren es diese selbst, die daneben waren.

Die Nitty Gritty Dirt Band wurden als Legenden angekündigt und wirkten auch so. Souveräne Musiker von A bis Z und ein vielfältiges Repertoir. Sie spielten ihre zahlreichen Hits, brillierten aber auch als Solisten auf ihren Instrumenten. Eine traditionelle Musik weit ab vom heutigen Nashville Pop. Die Band faszinierte ihre Fans und konnte bestimmt auch neue gewinnen.

Der Nashville Pop war dann mit Chely Wright vertreten. Sie hatte es schwer, nach den beiden vorherigen Bands noch eine Steigerung oder mindestens eine Stagnation bieten zu können. Chely wollte dem Publikum gefallen und setzte sich voll in Aktion. Leider war der Sound meist penetrant laut und kantig und schlecht abgemischt. Eigentlich unverständlich mit so vielen Profi-Technikern am Sound. Chely’s Show war sicher nicht schlecht, aber die Begeisterung bei den meisten Zuschauern hielt sich in Grenzen. Für mich als Chely-Fan tat es weh zu sehen, dass der Sound Chely im Wege stand. Schade auch, dass der berühmte Funke nicht gesprungen ist.

Clay Walker war eine weitere Überraschung in Gstaad. Er spielte das, was man von seinen CD’s kannte, aber auch noch ganz andere Seiten. Seine warme volle Stimme fand im Publikum sehr gute Resonanz und seine vielseitige Show zwang alle im Zelt zuzuhören. Ein Song ging mir speziell unter die Haut: Take It To The Limits von den Eagles konnte Clay mit zwei Harmoniesängern voll rüber bringen. Das ist Musik!

Interessant war, dass ausser Chely die Bands auf der „Brother Where Art Though“-Welle geschwommen sind. Bei David und bei der Dirt Band war Bluegrass sicher schon immer ein festes Element, bei Clay kannte ich es noch nicht. Traditionelle Country Musik gewinnt wieder mehr Hörer und es ist zu hoffen, dass auch das voll kommerzielle Nashville etwas von der Pop- und Schlager-Musik wegkommt. Wir hören ja wahrscheinlich gerne Country weil es eben anders ist als Pop.

 
 
Arthur Furrer, September 2002
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