|
Gstaad ist dieses Jahr seinem Ruf als European-Top-Event
wieder einmal voll gerecht geworden. Es waren absolute
Spitzenmusiker dort, angeführt von den Legenden der Nitty
Gritty Dirt Band.
Aber auch David Holt hat seine Sache gut gemacht.
Er war für viele eine positive Überraschung. Kaum jemand
kannte ihn vorher, aber allen wird er in Erinnerung bleiben.
Er machte das was man „Mountain Music“ nennt. Amerikanische
Volksmusik aus den Bergen aus North Carolina. Seine Musik
war lüpfig, aufgestellt, engagiert und volksverbunden.
Die Band trat als Familienband in Klamotten, wie man sie
wahrscheinlich vor 50 Jahren in Amerika trug. Seine Interaktionen
mit dem Publikum und seine Geschichten waren Top-Unterhaltung,
welche die Leute mit Standing Ovations quittierte. Genau
die richtige Band um die Leute in Stimmung zu bringen.
Es gab zwar auch Leute die es daneben fanden, aber vielleicht
waren es diese selbst, die daneben waren.
Die Nitty Gritty Dirt Band wurden als Legenden
angekündigt und wirkten auch so. Souveräne Musiker von
A bis Z und ein vielfältiges Repertoir. Sie spielten ihre
zahlreichen Hits, brillierten aber auch als Solisten auf
ihren Instrumenten. Eine traditionelle Musik weit ab vom
heutigen Nashville Pop. Die Band faszinierte ihre Fans
und konnte bestimmt auch neue gewinnen.
Der Nashville Pop war dann mit Chely Wright vertreten.
Sie hatte es schwer, nach den beiden vorherigen Bands
noch eine Steigerung oder mindestens eine Stagnation bieten
zu können. Chely wollte dem Publikum gefallen und setzte
sich voll in Aktion. Leider war der Sound meist penetrant
laut und kantig und schlecht abgemischt. Eigentlich unverständlich
mit so vielen Profi-Technikern am Sound. Chely’s Show
war sicher nicht schlecht, aber die Begeisterung bei den
meisten Zuschauern hielt sich in Grenzen. Für mich als
Chely-Fan tat es weh zu sehen, dass der Sound Chely im
Wege stand. Schade auch, dass der berühmte Funke nicht
gesprungen ist.
Clay Walker war eine weitere Überraschung in Gstaad.
Er spielte das, was man von seinen CD’s kannte, aber auch
noch ganz andere Seiten. Seine warme volle Stimme fand
im Publikum sehr gute Resonanz und seine vielseitige Show
zwang alle im Zelt zuzuhören. Ein Song ging mir speziell
unter die Haut: Take It To The Limits von den Eagles konnte
Clay mit zwei Harmoniesängern voll rüber bringen. Das
ist Musik!
Interessant war, dass ausser Chely die Bands auf der
„Brother Where Art Though“-Welle geschwommen sind. Bei
David und bei der Dirt Band war Bluegrass sicher schon
immer ein festes Element, bei Clay kannte ich es noch
nicht. Traditionelle Country Musik gewinnt wieder mehr
Hörer und es ist zu hoffen, dass auch das voll kommerzielle
Nashville etwas von der Pop- und Schlager-Musik wegkommt.
Wir hören ja wahrscheinlich gerne Country weil es eben
anders ist als Pop.
|