Review - Fan Fair 2003

 

Fan Fair 2003

Bank mit Werbung
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Fans im Coliseum
Fans im Coliseum
Riverfront
Riverfront
Fans im Coliseum
Fans im Coliseum
Coliseum
Coliseum
Terri Clark
Terri Clark

 

Die letzte Fan Fair?

Fan Fair war trotz den anfänglichen Befürchtungen wieder fast so gross wie letztes Jahr. Das trotz 11.9., Afghanistan, Irak und SARS. Wieder einmal nahmen die Fans Nashville Downtown für gut 4 Tage voll in ihren Besitz. Bei täglich fast 30'000 Besuchern im Coliseum, dem Football-Stadion der Tennessee Titans, war es Downtown zeitweise schwierig sich noch ein Sandwich zu ergattern. Aber die Amis sind ja genau so geduldig im Anstehen wie die Engländer.

Die Aktivitäten rund um die Fan Fair möchte ich mal in 4 Kategorien einteilen. Die Riverfront Shows starten jeweils morgens um 10:00 und dauern ununterbrochen bis 18:00. Ab 19:00 geht es dann im grossen Stadion los. Es ist gleich auf der anderen Seite des Cumberland Rivers und kann sehr gut zu Fuss erreicht werden. Die Mega-Shows im Stadium dauern ca. bis 22:30. Wer dann immer noch nicht genug Musik gehört hat, kann in eines der zahlreichen Honky-Tonks am Broadway gehen. Dort spielen meist unbekannte aber zum Teil sehr gute Künstler für Tips. Die 4. Kategorie sind die kleinen Clubs, die über die ganze Stadt verteilt sind, z.B. Bluebird Cafe, Douglas Corner, Station Inn, Slow Bar, etc. Und genau hier muss man sich entscheiden. Diese Lokale veranstalten unabhängig vom grossen Rummel ihre, meist etwas alternativen Konzerte, mit zum Teil aber auch recht bekannten Musikern. Fazit: alles zu sehen, was in Nashville während der Fan Fair so abgeht ist ein Ding der Unmöglichkeit. Man muss sich Prioritäten setzen.

An der Riverfront kann man im Vergleich zum Coliseum sehr nahe zu den Künstlern. Kenny Chesney hat dieses Jahr die Fan Fair begonnen und holte von Beginn weg viele Fans auf die abgestufte Wiese am Flussufer. Insgesamt traten dort 82 Künstler mit ihren Bands auf und machten etwa 31 Stunden Musik. Die Musik war meist sehr laut. Wer selbst mal hinzugehen gedenkt, soll vorsichtshalber mal Gehörschutzpfropfen mitnehmen. Bekanntlich ist die Behaglichkeit Musik zu hören nicht nur von der momentanen Lautstärke, sondern auch von der Dauer der Einwirkung abhängig. Nach ein paar Tagen kann man da schon in eine Sättigung geraten.

Von der Stilrichtung der Musik her gesehen, wird neben traditionellem Country und Bluegrass auch sehr viel Country-Pop serviert. Da hatte es Country-Bands mit Drums und vier Gitarren und kein einziges countryorientiertes Instrument. Geschmäcke sind bekanntlich verschieden, aber mir erschien es als wahre Wohltat, wenn wieder mal ein richtiger Country Song zu hören war. Leckerbissen aus meiner Sicht waren an der Riverfront Suzy Bogguss, Rhonda Vincent, T. Graham Brown, Hal Ketchum, Billy Yates und Jill King (beides Newcomer) und Kellie Coffey. Aber wie gesagt, Geschmäcke sind verschieden und jedes einzelne Konzert habe ich auch nicht gesehen.

Im grossen Stadion herrschte natürlich eine ganz andere Atmosphäre. Zwei aneinandergrenzende Riesebühnen mit grossen Scheinwerferbögen und gigantischen Lautsprechertürmen. Davor, etwa 2 ½ m tiefer der Rasen mit tausenden von Stühlen. Hunderte von Helfern wie Platzanweiser, Media, Sanität und Verpflegung schauten, dass alles reibungslos von statten ging. Wer keinen blauen, silbernen oder goldenen Streifen auf dem Umhängepass hatte, musste auf den Ränken bleiben. Ausser an seinem Platz darf man nicht stehen bleiben und zum Fotografieren musste man sich in die Photo-Line einordnen. Das kann bedeuten, dass man im Gang hinter den Tribünen ums ganze Stadium herumgehen musste um dann auf der anderen Seite anstehen zu können. Je attraktiver der Star, desto länger die Schlange.

Auch im Coliseum war die Musik laut und poplastig. Es ist zu befürchten, dass es nächstes Jahr noch popiger wird, denn die Veranstaltung wird in „CMA Music Festival 2004“ umgetauft. Es sollen auch Künstler aus anderen Musikstilen zu Zug kommen, die irgendwie in Beziehung zu Country stehen. Mal schauen wie das rauskommt. Der Protest der Puristen ist bereits lautstark im Umlauf.

Auch auf den Hauptbühnen hatte es für meinen Geschmack Musik, die unter die Haut ging. So am ersten Abend Darryl Worley, Terri Clark und Vince Gill. Spitzentage waren aber der Freitag und der Sonntag mit zuerst Lonestar, Martina McBride (das Girl kann wirklich singen!) und Alan Jackson (good ol’ country music). Brooks and Dunn machten viel Nonsense auf der Bühne und waren extrem rockig und laut. Am Sonntag war das Konzert etwa 1 ½ Stunden länger, auch weil es eine Stunde früher begann. Herausragend waren Trick Pony (sympathische, temperamentvolle Show mit viel Rock’n’Roll), Keith Urban, Jo Dee Messina und Wynonna. Wynonna gab eine eindrückliche Vorstellung ihrer souligen Stimme unterstützt von 3 gut synchronisierten Backup-Sängern. Das Tüpfchen auf dem „i“ war der Auftritt von Naomi Judd, der Mutter von Wynonna. Auf rührende Weise trugen sie 2 ihrer grössten Hits als „The Judds“ auf; “Mama He’s Crazy” und “Grandpa (Tell Me ‘Bout The Good Old Days)”.

Der Nationalstolz der Amis kam schon letztes Jahr nicht zu kurz, aber dieses Jahr wollte kein Star von der grossen Bühne gehen ohne seine Bemerkungen zur Weltlage loszuwerden. Ich finde es gut, auf Erreichtes stolz sein zu können. Allerdings ist Amerika nicht so einheitlicher Meinung, wie uns das unsere Country-Stars vormachen wollen. Manche trieben es aber noch weiter und gossen Benzin ins Feuer, das um die Dixie Chicks entstanden ist. Seine Meinung ausdrücken ist das Eine, auf den anderen herumhacken ist das Andere. Ich habe die entsprechenden Künstler von meiner persönlichen Fanliste gestrichen. Bewirken wird das allerdings kaum etwas.

Alles in Allem war Nashville auch dieses Jahr eine Reise wert!

Alan Jackson
Alan Jackson
Vince Gill
Vince Gill
Martina McBride
Martina McBride
Patty Loveless und Rodney Crowell
Patty Loveless und Rodney Crowell
Brad Paisley
Brad Paisley
Diamond Rio
Diamond Rio
Joe Dee Messina
Joe Dee Messina
Mark Wills
Mark Wills
Trick Pony
Trick Pony

Sara Evans
Sara Evans

Keith Urban
Keith Urban
Brooks & Dunn
Brooks & Dunn
Wynonna und Naomi Judd
Wynonna und Naomi Judd

 

 
 
Text und Bilder Arthur Furrer, 10. Juni 2003
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