Interview mit Todd Fritsch

Todd Fritsch

Interview Arthur Furrer, Nashville 8. Juni 2006

   

Ein Cowboy aus Texas will es im Musikbusiness wissen. Er investiert viel in seine Karriere und hat sich ein Top-Promo- und Management-Team aus Nashville angeheuert.
Seine Karriere fördert er auch mit Konzerten in der Texas Live-Szene und auch im Ausland. Im Sommer 2006 nimmt er seine zweite Tour d’Europe unter die Räder.

AF: Todd, woher kommst Du?
TF: Aus einer kleinen Stadt in Texas, Fayetteville. Das liegt zwischen Houston und Austin, Texas. Es ist eine kleine, ländlich orientierte Stadt und jede wichtige Metropole, ist mindestens eineinhalb Stunden entfernt.

AF: Todd, bist Du voll entschlossen eine Musikerkarriere zu machen?
TF: Oh, ja, ich werde so viel Arbeit dreinstecken, wie nötig ist. Ich habe mir meine eigenen Ziele gesetzt. Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen während der Fan Fair an der Riverfront in Nashville aufzutreten und dieses Jahr ist mir das wirklich gelungen. Als unabhängiger Künstler (Independent Artist) musst Du effizient sein und noch ein bisschen härter arbeiten als die Anderen.

AF: Seit wann machst Du Musik?
TF: Ich habe mit 14, 15 Jahren angefangen, selbst Musik zu machen. Meine Schwester spielte Keyboards, so konnten wir gemeinsam singen und musizieren. In der High School habe ich viel Zeit mit Sport verbracht. Als ich mit der High School fertig war, habe ich nach Auftrittsorten mit meiner Band gesucht. Das eine hat das andere ergeben. Im Jahr 2000 machte ich mein erstes Album, 2003 machte ich meine zweite CD. Mein neues, selbstbetiteltes Album ist jetzt der grösste Schritt, um Musik hauptberuflich spielen zu können.

AF: Welches sind Deine musikalischen Vorbilder?
TF: Ich stand auf Garth Brooks, George Strait und Alan Jackson. Dann habe ich mich zu älteren Künstlern vorgearbeitet wie Merle Haggard, Vern Gosdin, Waylon Jennings, Bob Wills und Willie Nelson. Je mehr sich meine eigene Karriere entwickelt hat, desto mehr bin ich auf diese traditionelleren Künstler gestossen.

 

 

AF: Pat Green und Jack Ingram haben ihre Karriere in Texas begonnen, bevor sie den Sprung zum Erfolg im ganzen Land geschafft haben. Wäre das auch ein Weg für Dich?
TF: Ja, diese Leute haben es gezeigt, wie man aus dem texanischen Bereich heraustreten kann. Ich sah Pat Green schon, als er Shows für andere eröffnet und vor 20 Zuhörern gespielt hat. Jetzt spielt er für 100’000 Leute und ist schon eine ziemliche Zeit aktiv. Harte Arbeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Du musst auftreten, so oft du kannst und die Musik leben und einatmen. Das haben Pat Green und Jack Ingram getan und es gibt jede Menge weiterer Künstler in Texas, von denen ausserhalb Texas kaum jemand etwas gehört hat.

AF: Warum setzt Du nicht alles auf eine Karte und ziehst nach Nashville:
TF: Wenn du nach Nashville ziehen kannst und es klappt mit dem grossen Geldverdienen, ist das super. Aber für mich wäre das nichts. Ich kann auch innerhalb Texas gross werden und durch meine Live Shows mir eine Fangemeinde erarbeiten. In Nashville gibt es unendlich viele gute Leute, aber du hast kaum die Möglichkeit, dir über Live Shows genügend Publicity zu holen und dir eine Fangemeinde zu erarbeiten. Dazu ist diese Stadt nicht gross genug. Daher erledige ich meine notwendigen geschäftlichen Dinge in Nashville, aber meine Musik entwickle ich in Texas. Das würde ich jedem auch empfehlen, erst mal einen Fuss auf den Boden zu bekommen und dann nach Nashville zu gehen. Ich gehe im Schnitt alle zwei Monate hin. Wenn du landesweit bekannt werden möchtest, musst du in Nashville einen Fuss in der Türe haben.

AF: Was für ein Team unterstützt Dich?
TF: Ich arbeite mit einem Radio-Promoter, meinen beiden Managern Bob Barnhill / Doug Deforest und mit der Media-Publizistin Martha Moore. Wir haben natürlich ein beschränktes Budget und versuchen überall unsere Ausgaben zu optimieren.

AF: Wie willst Du Deine Musik bekannt machen?
TF: Wir hatten viel Erfolg mit dem Internet. Es gab sehr viele „hits“ auf unserer Website. Dann Kompilations-CD’s auf denen Du Deine Songs zusammen mit anderen Künstlern platzieren kannst und die dann weltweit verteilt werden. Martha hilf mir die Zeitungen anzuschreiben und die internationalen Medien zu kontaktieren. Aber sehr wichtig ist, dass Du auch Auftritte machst, über die die Medien dann berichten können.

AF: Werden Deine Songs am Amerikanischen Country Radio gespielt?
TF: Die Stationen werden in drei Kategorien eingeteilt, P1 sind die Major Stations, also die grossen Sender. Diese Sender werden durch die Playlists mit den 20 oder bestenfalls 40 Songs kontrolliert. Die P2 Leute sind Privatleute, denen Sender gehören und dort laufen meine Platten schon ganz gut.

AF: Was hälst Du von Kontrolle der Musikindustrie über die grossen Radiostationen?
TF: Das mag ich gar nicht. Ich denke, ein gutes Lied ist ein gutes Lied, egal wer es singt und auf welchem Plattenlabel es erschienen ist. Die Leute sollten selbst entscheiden können, was sie hören wollen. Aber in den Staaten ist es immer nur einer, der der Radiostation sagt, was sie spielen muss und der sitzt meist 5’000 Meilen vom Sender entfernt.


Todd Fritsch and Heidi Duss

AF: Wie kommst Du mit dieser Situation in der Radiolandschaft zurecht?
TF: Dieser Situation macht es für Leute wie mich unheimlich schwierig im Musikgeschäft Fuss zu fassen. Wenn du ein unabhängiger Künstler bist, wie ich es bin, dann kostet es dich sehr viel Geld, um mit den großen Plattenfirmen zu konkurrieren. Es macht alles sehr hart. Ich wünschte, die DJ’s und Programm-Macher vor Ort hätten mehr Kontrolle über ihr Musikprogramm und könnten spielen, was sie für gut befinden.

AF: Bist Du zufrieden, wie sich Deine Karriere entwickelt?
TF: Jede Woche gibt es etwas Neues: mehr Radio Interviews, mehr Auftritte, mehr Reisen. Wir überwinden täglich neue Hügel. Wir wollen eine solide Arbeit machen und nicht nur einen einzigen Song pushen und dann wieder verschwinden.

AF: Ist es Dein Ziel einmal von einem grossen Label entdeckt zu werden?
TF: Ja, das wäre schön. Es gab schon Interesse von einzelnen Labels. Es ist aber so, dass ich meiner Sache treu bleiben will und nur das singe, was mir auch gefällt und mir Spass macht. Ich liebe traditionelle Musik und will auch meine eigenen Songs aufnehmen. Ich möchte schon zusammenarbeiten, denn nur major Labels können Dich aufs nächste Niveau heben.

AF: Wie sehen Deine Zukunftspläne aus?
TF: Wir arbeiten schon an meiner vierten CD, die voraussichtlich noch im Laufe diesen Jahres herauskommen wird. Ich schreibe auch jede Menge mit anderen Leuten zusammen. Ich will da so gut es geht dranbleiben. Gerne würde ich auch jährlich drei oder vier Tourneen durch Europa machen und zuhause an den Wochenenden und auch unter der Woche möglichst häufig auftreten. Also, ich will auf jeden Fall mehr und mehr Musik machen.

AF: Sind Deine Lieder schon von grossen Stars aufgenommen worden?
TF: Von der jetzigen CD habe ich meine Lieder bereits anderen Künstlern angeboten, Kenny Chesney, Alan Jackson und George Strait. Wenn da mal eines meiner Lieder aufgenommen und veröffentlicht würde, wäre das eine Riesensache für jemanden wie mich. Das ist finanziell sehr ertragreich und würde helfen, meine Karriere zu finanzieren.

Todd Fritsch und Marco Duss

 

AF: Todd Fritsch, ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir viel Erfolg mit Deiner Musikkarriere.
TF: Das habe ich gern gemacht. Stets aktuelle Informationen über meine Aktivitäten findet man auf meiner Website www.toddfritsch.com.

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