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Interview with Shawn Camp
IS: Shawn Camp, was hat Dich dazu bewogen, ein Country Music-Artist und gleichzeitig auch ein Songschreiber zu werden? SC: Ich musste nie um einen Entscheid kämpfen, um zu entscheiden, was ich werden wollte. Seit ich gehen konnte, trug ich eine Gitarre mit mir herum und mit 5 Jahren spielte ich darauf die ersten Akkorde. Ich wusste auch schon immer, dass ich mich mit Country Music befassen wollte und dies wurde definitiv bekräftigt, als ich alt genug war, um nach Nashville zu ziehen, wo alle meine Vorbilder zu sehen und zu hören sind. IS: Bist Du in einer musikalischen Familie aufgewachsen? SC: Mein Vater spielte immer Gitarre und meine Eltern haben in der Kirche gesungen. Mein Vater hätte in den 50er und 60er Jahren bestimmt ein Star werden können, wenn er sich entschieden hätte, nach Nashville zu ziehen. Er war ein Arbeiter und er dachte nicht daran, seinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen.
IS: Wie hast Du Deine Laufbahn gestartet? SC: Zuerst spielte ich als kleiner Junge die Gitarre, mit 8 Jahren kam die Mandoline dazu und mit 15 Jahren noch die Fiddle. Gute Fiddler haben grosse Chancen für gute Jobs - sie sind gesuchte Leute und Gitarrenspieler hat es zur Genüge. Mit 20 Jahren zog ich nach Nashville und erhielt da einen Job als Fiddler bei den Osborne Brothers und spielte mit ihnen oft in der Grand Ole Opry. Ich blieb allerdings nicht sehr lange bei den Osborne Brothers. Ich ging dann mit Jerry Reed, Alan Jackson, Suzy Boguss und Trisha Yearwood als Bandmitglied auf Tournee. Als ich wieder mehr Zeit in Nashville verbrachte, versuchte ich vermehrt Lieder zu schreiben. Ich hatte eigentlich immer geschrieben, auch schon als Teenager, aber eben, nur kleine und unbedeutende Texte. IS: Wie war es, mit diesen etablierten Künstlern zu arbeiten? SC: Jeder dieser Künstler ist sehr verschieden. Meistens ist es wie eine Familie, es ist ein gutes Gefühl, das uns alle zusammenkittet. Man arbeitet für eine bekannte Persönlichkeit, man wird ebenfalls beachtet und geschätzt und es können schöne Freundschaften entstehen. IS: Mit welcher Musik bist Du aufgewachsen? SC: Mein Vater hatte eine grosse Bluegrass-LP-Sammlung, die ich mir immer sehr gerne anhörte. Meine Mutter hatte viele Platten von Elvis Presley und auch diese habe ich mir immer und immer wieder angehört. Auch Platten von George Jones und Hank Williams senior gehörten zu unserer grossartigen Sammlung. Auch andere Country- und Rock n'Roll-Music hat mich fasziniert. Tom T.Hall ist mein absoluter Favorit! IS: Hattest Du in Deiner Jugendzeit auch einmal das Bedürfnis eine ganz andere Art von Musik zu hören? SC: In der Junior High School war vor allem Rockmusik populär. Als Teenager gehörte diese Musik einfach zum Leben, aber ich habe nie solche Platten gekauft. Ich kaufte mir eher Blues-Platten. IS: Wann hattest Du Deinen ersten bezahlten musikalischen Auftritt? SC: Ich war 12 Jahre alt, als ich mit ein paar jugendlichen Kollegen eine Band gegründet habe, um an einem Fastfood-Chickenstand zu spielen. Wir wollten uns Sackgeld verdienen und es war wirklich nur für ein Trinkgeld - so für etwa 20 Dollars oder so! IS: Kannst Du Dich an das erste Lied erinnern, das Du geschrieben hast? SC: Mein erstes Lied? Wenn ich mich richtig erinnere, so war das in der 5. Klasse. An den Text kann ich mich nicht mehr sehr genau erinnern, ich glaube es handelte von einem üblen Streich, den jemand gespielt hatte. Ich weiss nur noch, dass ich das Schreiben damals schon sehr geliebt habe. Ich wusste auch, dass ich in Zukunft Lieder schreiben wollte, aber diese sollten von meinen eigenen Erlebnissen erzählen. IS: Was hat Dich dazu bewogen, nach Nashville zu ziehen? SC: Jeder Mensch lebt in der Regel dort, wo er Arbeit findet. Ich aber wollte immer schon nach Nashville, mit oder ohne Job - dahin, wo meine Vorbilder leben und die Musik den ganzen Tag präsent ist. Ich wollte einfach ein Teil dieser Szene sein! IS: Wie war die Unterstützung Deiner Eltern, als Du nach Nashville ziehen wolltest - du bist ihr einziges Kind. SC: Sie haben mich sehr unterstützt. Als ich zum ersten Mal dahin zog, war die ganze Familie dabei, denn mein Vater war Eisenleger und hatte für ca. 1 Monat Arbeit auf einem Bau in Nashville. Nach dieser Zeit kehrten meine Eltern nach Arkinson zurück und ich konnte es mir leisten, alleine da zu bleiben, denn ich hatte ja einen Job bei den Osborne Brothers gefunden. IS: In Nashville warten Hunderte von erfolgsuchende Songschreiber auf den Durchbruch. Wie kann ein noch nicht erfolgreicher Songschreiber in Nashville überleben? SC: Es ist ein Kampf von Tag zu Tag. Man muss versuchen, irgend einen Job zu kriegen, egal was, die Hauptsache ist man verdient etwas Geld für das Nötigste. Ich habe in Fabriken gearbeitet, habe Lastwagen beladen und verschiedene andere Dinge gearbeitet, um zu überleben. IS: Hast Du auch in den verschiedenen Clubs am unteren Broadway gespielt? SC: Ich spielte verschiedentlich in diesen Clubs. Aber öfters spielte ich in Hotelhallen rund um Nashville oder in kleinen gespenstischen Honky Tonks, die teilweise nicht grösser sind als ein Hühnerstall. Diese Art von Honky Tonks gibt es am Stadtrand von Nashville einige! IS: Wie kommen Dir die Song-Ideen? Schreibst Du diese sofort auf oder verarbeitest Du diese zuerst in Deinem Kopf? SC: Manchmal schreibe ich sie sofort auf, manchmal behalte ich es einfach für mich in Erinnerung, das ist von Fall zu Fall verschieden. Vor ein paar Monaten habe ich mit John Scott ein Lied geschrieben, an dem wir zwei Jahre herumstudiert hatten. Es ist oft schwierig, die Reihenfolge des Textes richtig hinzukriegen oder seine Idee ins rechte Licht zu rücken, damit es auch verstanden wird. Es braucht manchmal viel Zeit für gute Ueberlegungen - auf der anderen Seite kann man manchmal eine Idee auch nur so aus dem Arm schütteln. IS: Heute bist Du in Nashville ein gefragter Songschreiber. Was musstest Du leisten, um an diesen komfortablen Punkt in Deinem Leben zu gelangen?
IS: Wie kommen Deine Songs zu den Künstlern, die sie singen möchten? SC: Auf ganz verschiedene Wege, John
Anderson zum Beispiel, ist seit geraumer Zeit ein guter Freund von mir.
Er hilft mir viel, meine Karriere in die richtigen Bahnen zu bringen.
Er kennt alle meine Songs sehr gut und hat auch schon zwei davon aufgenommen,
er steht mir wirklich mit Rat und Tat zur Seite. Ein anderes IS: Was empfindest Du, wenn ein Künstler das Lied so singt wie Du es selbst gesungen hast oder was empfindest Du, wenn er an der Melodie oder am Text etwas ändert? Macht es Dich böse, wenn ein Künstler Aenderungen an Deinen Songs vornimmt? SC: Es ehrt mein Song, wenn er überhaupt aufgenommen wird. Das gilt aber nicht, wenn Aenderungen am Text oder an der Melodie gemacht werden, ohne dass ich um meine Meinung dazu gefragt werde. Es könnte ja den ganzen Sinn eines Songes verändern. IS: Fragen Dich die Artisten, ob sie etwas am Lied ändern dürfen oder hörst Du es einfach irgend wann einmal auf der CD desjenigen Artisten? SC: Nun, für den Artisten ist es eher ungewöhnlich den Songschreiber um seine Meinung zu fragen, aber andererseits muss ich sagen, dass gerade ein Star wie Garth Brooks mich gefragt hat, was ich davon halte, wenn er diese oder jene Aenderung vornehmen würde. Das hingegen finde ich ausserordentlich fair, vor allem wenn ein Weltstar wie Garth diese Fairness vorlebt. Dann gibt es natürlich diejenigen Artisten, die einfach Texte und Melodien ändern und man hört sie erst ab CD. IS: Was hat sich in Deinem Leben verändert, seit Du den Durchbruch als Songschreiber geschafft hast? SC: lacht verschmitzt ... studiert... und sagt wie aus der Kanone geschossen I'm having a big time! IS: Hat es etwas an Deinem Lebensstil geändert? SC: Nicht unbedingt, ich lebe so, wie ich immer gelebt habe. Ich habe mir durch diesen Erfolg mehr Respekt und Anerkennung verschafft, was ich sehr gut finde. Es ist nicht angenehm, wenn man im Kreis seiner Freunden und Bekannten nicht genügend anerkannt, nicht respektiert oder nicht ernst genommen wird. IS: Bekommst Du jetzt auch mehr Angebote, mit Top-Songschreibern zusammenarbeiten zu können, wo Du vorher keine Chancen gehabt hast? SC: Bestimmt werde ich in diesen höheren Kreisen heute anerkannt und es wollen mehr mit mir zusammen schreiben. Es steigt aber auch der Erfolgsdruck, weil man nicht unbedingt wieder einen neuen Hit produzieren kann. Jeder versucht natürlich seinen eigenen Level noch höher zu schrauben, um in diesem Topkreis bestehen zu können. IS: Was braucht es, um mit einem etablierten Songschreiber zusammen schreiben zu können? Muss man Texte, Demobänder oder fertig produzierte CD's abliefern, um ihnen zu beweisen, was man bis anhin geleistet hat. Kommen sie eventuell einfach auf Dich zu, weil sie von Deinem Erfolg gehört haben? SC: Es geschieht auf beide Arten. Da gibt es so viele Schreiber in Nashville, die man überhaupt nicht kennt, nicht weiss, dass es sie gibt, was sie machen, welchen Erfolg sie haben! Im Speziellen geht es mir so, denn ich höre wenig Radio, verfolge keine Charts und weiss deshalb nicht, wer überhaupt Hits hat. Ich persönlich konzentriere mich eigentlich nur darauf, was meine besten und engsten Freunde tun. IS: Wenn heute ein junger, unerfahrener Songschreiber zu Dir kommt und fragt: ... hey Shawn... wirst Du etwas mit mir zusammen schreiben? Wie entscheidest Du, ob Du willst? SC: Nun, diese Person muss mir sympathisch sein, um mit ihm an einen Tisch zu sitzen. Man muss sich natürlich zuerst gegenseitig kennen lernen, das heisst, die Chemie zwischen uns beiden muss stimmen, um dann auch kreativ zu sein. Grundsätzlich bin ich für eine gute Zusammenarbeit immer gerne bereit. IS: Was liebst Du nun mehr, das Singen oder das Schreiben? SC: Für mich ist beides eine Sache. Wenn man das Eine tut, ergibt sich meistens auch das Andere. IS: Was denkst Du über die heutige Situation im Country Music Geschäft und die Tatsache, dass die Künstler immer jünger werden? SC: Es ist schwierig für mich,
das auszudrücken, was ich über diese Sache denke! Ich glaube
man darf nicht sagen, Country Music Geschäft, sondern man muss
IS: Was bedeutet für Dich das Wort Country Music? SC: Ich denke das Wort Country ist etwas, das wir in USA die letzten 30 Jahre gemacht haben, vorher hiess das Ganze Hillbillymusic oder Country & Western. Ich finde es generell schlecht, Musik in bestimmte Sparten einteilen zu wollen. Man sollte das Ganze doch einfach Musik nennen und jeder hört sich das an, was ihm zusagt und Spass macht. Ich persönlich suche immer nach den Wurzeln in der Musik, sei es z.B. Blues mit Robert Johnson oder dergleichen, oder Bob Wills mit Western Swing. Für mich ist wichtig zu wissen, wie und mit was für Ueberlegungen die Musik entstanden ist. IS: Kommen wir zum Thema Garth Brooks. Wie hast Du die beiden Lieder an Garth Brooks herangetragen? SC: Ich schreibe für eine Publishing-Firma, wo total 8-10 Schreiber unter Vertrag sind. Am selben Ort schreibt auch Ruby Lovett. Garth macht seine Plattenaufnahmen im selben Gebäude. Als er eines Tages ein Lied brauchte, kam er in unsere Agentur und ich war gerade da. Ich machte ihm einige Vorschläge und zeigte ihm auch I don't have to wonder. Als ich das Lied Two Pina Coladas, zusammen mit Sandy Mason und Benita Hill geschrieben haben, brachte Sandy den Song sofort zu Garth's Produzenten Allen Reynolds. Allen sagte, dass dieser Song für Garth super wäre und Garth hat den Song sehr schnell aufgenommen - Two Pina Coladas wurde eine erfolgreiche Single und inzwischen wurden 13,5 Millionen CD's verkauft. IS: Gibt es eine grosse Differenz zwischen einem Single Hit oder einem Song, der auf einer erfolgreichen CD enthalten ist, aber nicht als Single ausgekoppelt wurde? SC: Eine Single findet bedeutend mehr Beachtung, da sie mehr am Radio gespielt wird und, sofern als Song erfolgreich, in der Hitparade plaziert werden kann. Die Leute hören den Song am Radio, gehen in ein Geschäft und kaufen die ganze CD. Mit einer Single hat man viel grössere Chancen, am Radio gespielt zu werden, das wiederum erzeugt mehr Umsatz und mehr Publizität für den Interpreten und den Songschreiber. IS: Kannst Du mir erzählen wie das Lied Two Pina Coladas zustande gekommen ist? SC: Ich sass mit Benita Hill und Sandy Mason zusammen. Wir versuchten, ein Lied zusammen zu schreiben, doch ziemlich frustriert mussten wir feststellen, dass uns einfach keine brauchbaren Ideen kamen. Wir machten eine Pause, setzten uns vor das Haus und ich sagte: lasst uns doch nach Florida fahren, irgendwo an einen Strand und an die Sonne, lasst uns das hier vergessen. Sandy sagte: ja super aber mit einem Pina Colada in der Hand. Benita meinte dann scherzend: aber eine Pina Colada für jede Hand! Ich nahm Sandys Gitarre zur Hand und summte mit den soeben ausgesprochenen Sprüchen von Sandy und Benita eine Melodie so locker vor mich her: Two Pina Coladas one for each hand... so entstand dann innerhalb von 30 Minuten dieses Lied .... und der Rest ist Geschichte! IS: Du bist auch ein ausgezeichneter Instrumentalist. Du hast bei Garth Brooks Aufnahmen von Two Pina Coladas im Studio die Gitarre gespielt. Wie ist das zustande gekommen? SC: Ich war gerade im Studio, als Garth die Gesangsaufnahmen machte. Mitten im Lied wird noch ein Gitarren-Solo gespielt. Garth fragte mich, hast Du die Gitarre dabei? Ja natürlich, sagte ich, dann spiel doch Du dieses Solo meinte er. Ich habe das mit Freude getan und nach 5 Minuten war mein Gitarrenspiel auf die Platte gepresst. Ich wollte es noch ein zweites Mal spielen, weil ich dachte, ich hätte es noch besser machen können, doch Garth meinte: es darf nicht allzu perfekt werden - es ist schon OK! Doch nach einer Woche mussten wir Musiker nochmals ins Studio, denn Garth wollte die ganzen Aufnahmen in einer anderen Tonlage haben. So entstand dann eine zweite Version in F-Dur anstelle von E-Dur wie bei den ersten Aufnahmen. Alle Anwesend sangen ebenfalls die Background-Stimmen, es hat uns wirklich sehr viel Spass bereitet! IS: Kennst Du Garth Brooks persönlich und gibt es Leute, die Deine Beziehungen zu Garth für sich zu nutzen versuchten? SC: Nein, das hat bis jetzt noch niemand missbraucht. Garth kenne ich seit geraumer Zeit. Wir sind keine persönlichen Freunde, die miteinander zum Angeln oder Jagen gehen, nein, wir kennen uns einfach so von der Arbeit her. IS: Wie ist er Deiner Meinung nach? Er hat ja viele Freunde abaer auch Feinde, es sind ja immer viele Neider da. Ich habe gehört, dass er ausserordentlich freundlich und wohlwollend ist. Wie würdest Du das beurteilen? SC: Das kann ich wirklich nicht abschliessend beurteilen! Ich kenne ihn als ehrlichen und aufrichtigen Menschen. Jeder, der grosse Erfolge feiert, steht mehr als alle Anderen im Kreuzfeuer der Kritik - er hat vor der Menge zu bestehen. Im Übrigen kann man es nie allen recht machen! IS: Zwischen den Artisten besteht ein grosser Konkurrenzkampf. Ist das bei den Songschreibern auch so? SC: Konkurrenzkampf ist in Nashville überall, hat es doch sehr viele Songschreiber, Artisten, Plattenfirmen, etc. Es hat Musikgeschäfte, Agenturen oder andere Institutionen im Musikgeschäft, die ihre Tore schliessen müssen, weil der Konkurrenzkampf zu gross ist. Plattengeschäfte müssen ihr ganzes Material liquidieren, manchmal kommt es mir vor wie der Untergang der Titanic! Sagen wir mal, unser kreatives Material und Gut verliert an Wert! IS: Siehst Du irgendwelche positiven Aspekte in der Musik, kombiniert mit dem Computer? SC: Oh ja, sicher. Es ist ein Wettlauf mit dem Bewusstsein, nach etwas Neuem zu suchen, es ist ein Mithalten mit der Zeit, es gibt keinen anderen Weg zu gehen als den mit dem Fortschritt. IS: Welchen erfolgreichen Song eines anderen Songschreibers möchtest Du selbst geschrieben haben? SC: Mh ... da gibt es deren so viele mh.... auf jeden Fall alle Lieder, die Tom T.Hall geschrieben hat, möchte ich geschrieben haben. IS: Gibt es einen erfolgreichen Titel, den Du gerne als Erster aufgenommen hättest? Ich meine als Sänger! SC: Auch da gäbe es so Viele. Als kleiner Junge hörte ich zum ersten Mal das Lied The year that Clayton Delaney died von Tom T.Hall. Ich denke das ist für mich auch heute noch einer der Top-Songs. IS: Du hast eine neue CD aufgenommen, die hoffentlich sehr bald auf den Markt kommt. Nach welchen Kriterien hast Du die Lieder ausgesucht und geschrieben? SC: Indem ich meinen Song-Katalog konsultierte und zusammen mit den Produzenten Allen Reynolds und Mark Miller die Auswahl und Zusammenstellung getroffen haben. Wir alle haben separat eine Liste erstellt, jeder hat die Songs nach seinem Gutdünken ausgesucht, danach entschieden wir uns endgültig für 14 Songs. IS: Sind alle Lieder darauf von Dir geschrieben? SC: Ich habe alle Lieder mitgeschrieben. Nur eine Handvoll dieser ausgewählten Lieder habe ich alleine geschrieben, aber in Zukunft möchte ich mehr alleine schreiben. IS: Weshalb möchtest Du mehr alleine schreiben? SC: Ich fühle, dass ich nun bereit bin, um eigene, wahre Geschichten, die ich persönlich erlebt habe, zu guten Songs verarbeiten kann. Du kannst als Mitschreiber nicht gleich mitfühlen, wenn Du die Geschichten nicht selbst erlebt hast - wenn sie nicht von deinem innersten Gefühl herkommen. Das soll aber nicht heissen, dass ich nicht gerne mit anderen Songschreibern zusammenarbeite. Ich habe so viele gute Kollegen und Freunde, mit denen ich sehr gerne zusammen schreibe und das auch weiterhin pflegen werde. Ich möchte aber auch die komplette, artistische Freiheit benutzen. IS: Hast Du auf Deiner neuen CD ein Lieblingslied? SC: Nein, das könnte ich nicht sagen, sie sind mir alle gleich wichtig. IS: Nun eine persönliche Frage: wer ist Shawn Camp? SC: meint lachend nur ein kleiner Hillbilly (Hinterwäldler) aus Arkinson! IS: Oh, sei nur nicht so bescheiden! Noch andere Persönlichkeiten kommen aus Arkinson, solche die ebenfalls so wie Du jetzt hier grosse Zigarren rauchen! SC: Nun, wir erhalten ja keine Kuba-Zigarren in Amerika. So benutze ich eben jede Gelegenheit ausserhalb der USA, um diesem Vergnügen zu erliegen. (und pafft mir den Rauch mit Vergnügen mitten in mein Gesicht!) IS: Was machst Du, wenn Du Dich einmal nicht mit Musik beschäftigst? SC: Meine Gedanken befassen sich den ganzen Tag mit Musik, ob ich spiele, singe oder schreibe, sie begleiten mich auf Schritt und Tritt und lassen mir keinen Raum für andere Dinge. IS: Machst Du denn nicht irgend einen Sport, oder vielleicht gehst Du auch einmal ins Kino? SC: Hin und wieder gehe ich zum Fischen, auf die Jagd oder auch einmal auf den Golfplatz, einfach um mich ein wenig in der Natur zu bewegen. IS: Wie erholst Du Dich, wie entspannst Du Dich wirklich? SC: Musik, Musik ist meine ganze Entspannung! IS: Was war der bisher glücklichste Moment in Deinem Leben? SC: Wow... Du fragst mich vielleicht schwierige Sachen! Studiert sehr lange und meint dann: ich glaube das war mein erster Solo-Auftritt in der Grand Ole Opry im Jahre 1993, das war echt bewegend! Natürlich spielte ich schon mehrere Male in der Grand Ole Opry, aber immer nur als Bandmitglied eines anderen Künstlers. Mein damaliger Solo-Auftritt hat mich schon sehr beeindruckt. IS: Hast Du in Deiner Jugend die Sendungen aus der Grand Ole Opry oft am Radio mitgehört? SC: Oh ja, während meiner ganzen Jugendzeit. Wir schauten uns auch jeden Samstag die Nashville-TV-Sendungen an, die man gut in Arkinson empfangen konnte. Zum Beispiel die Wilburn Brothers Show schaute ich schon, als ich noch ein kleines Kind war. Die Grand Ole Opry zu besuchen wurde dann schnell zu einem Wunschtraum. IS: Was denkst Du über die heutige Grand Ole Opry? SC: Es gibt immer wieder bessere oder schlechtere Gegebenheiten. Ich denke, dass sie ihr Programm auch der heutigen, schnelllebigen Zeit anpassen müssen, wenn sie ihr Publikum behalten wollen. IS: Ich war sehr überrascht, als ich dieses Jahr in der Grand Ole Opry war und diese mit vielen leeren Plätzen sah. Früher war die Opry immer zum Bersten voll und man konnte nur mit frühzeitiger Reservation gute Eintrittskarten erhalten. Was denkst Du ist der Grund für dieser Publikums-Rückgang? Wollen die eventuell mit ihrer neuen Programmstrukturierung, wo sie jetzt auch wieder jüngere Künstler als Mitglieder aufnehmen, auch ein jüngeres Publikum ansprechen? SC: Für mich ist die jetzige Grand Ole Opry einfach nur ein Gebäude im ehemaligen Oprylandpark. Es ist sicher ideal und komfortabel für die Artisten, die dort ihre separaten Garderoben und sonstigen Aufenthaltsräume haben. Für mich hat das Gebäude den Charme verloren, wie man das von der ursprünglichen Opry im Ryman Auditorium gewohnt war. In diesem, für Amerika so bedeutenden historischen und monumentalen Gebäude hat die Bedeutung für die Country Music ihren Lauf genommen. Ich denke, gerade dieser Charme, den das Ryman Auditorium ausgestrahlt hatte, war der Grund für die langen Warteschlangen und für die stets ausverkauften Vorstellungen. IS: Was empfindest Du, wenn Du eines Deiner Lieder unerwartet im Radio hörst oder wenn Du sogar noch selbst der Sänger bist. SC: Es ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis für mich. Ich mag mich noch gut daran erinnern, als ich mich selbst das erste Mal am Radio hörte. Ein guter Freund von mir ist DJ an einem Nashville Lokalradio. Er rief mich an und sagte: hey Shawn, Du bist heute auf unserer Spielliste, so zirka um 14.00 Uhr wird Dein Song gespielt. Es war für mich ein emotional starker und spezieller Moment. IS: Wie wichtig war für Dich Radiohören, bevor Du Deine Karriere gestartet hast? Hat sich nun etwas an dieser Wichtigkeit geändert? SC: Ich denke schon, dass es sich heute geändert hat. Als Jugentlicher liebte ich es, meine bevorzugten Sänger wie Charley Pride, Don Williams, Tom T. Hall oder Johnny Cash anzuhören, die damals auch oft am Radio gespielt wurden. Heute hat sich das Radio schon sehr stark verändert und die Vielseitigkeit geht völlig ab. IS: Was liebst Du an Deinem Erfolg als Songschreiber am meisten ? SC: Ich liebe es sehr, wenn ich Lieder, die ich geschrieben habe, am Radio höre, speziell wenn sie von meinen bevorzugten Künstlern und Vorbilder gesungen werden. Wenn John Anderson ein Lied von mir aufnimmt, weiss ich, dass ich meine Arbeit gut gemacht habe. Ich finde das absolut cool und spornt mich zu noch besseren Leistungen an. IS: Könnte dieser Erfolg auch ein bisschen zu einer Sucht werden? SC: Oh ja, das wird definitiv zu einer Sucht, eine Sucht, deren man niemals müde werden möchte. IS: Was liebst Du am meisten an Deiner Arbeit? SC: Mir gefällt es, im Studio zu arbeiten, Musik aufzunehmen. Diese Arbeit lässt mein Herz höher schlagen, das ist so aufregend, dass ich manchmal am Abend vorher nicht mehr schlafen kann. Es gibt mir ein Gefühl, etwas geschaffen zu haben, das für ewig festgehalten ist. Eine Aufnahme ist unvergänglich, das kann dir niemand mehr wegnehmen. Verstehst Du das? IS: Genauso denke ich auch über das Liederschreiben. Ein Lied ist etwas unvergängliches und wenn es ein Klassiker wird, überlebt es sogar den Erschaffer und besteht für ewig. SC: Richtig! Dieses Gefühl habe ich auch immer, wenn ich ein Demoband aufnehme oder ein Lied zum ersten Mal im Studio einspiele, das vorher noch keine Person gehört hat. Dieses Gefühl ist aufregend und spannend. IS: Und was magst Du Deiner Arbeit nicht so besonders? SC: Die Politik, die oft damit verbunden ist! Ich sage gerne meine Meinung, wie es ist, wie ich es fühle, egal mit welcher Person ich gerade diskutiere. Wenn jemand bessere Arbeit leistet als ich, so akzeptiere ich das. Leute, die aber nur kritisieren und es doch nicht besser tun, denen gegenüber kann ich mich sehr ärgerlich zeigen, dann kann ich den Mund nicht mehr halten! IS: Zu einem anderen Thema: Du hast ein gutes Projekt mit Warner Brothers produziert, das aber nie erschienen ist. Was war das für eine Geschichte? SC: Das war mein zweites Album, das ich eingespielt hatte, als ich noch für Warner Brothers tätig war. Es war mein ganzer Stolz! Emery Gordy jun. hat es produziert und es waren ausgezeichnete Musiker dabei wie z.B. Bobby Hicks an der Fiddle, Jerry Douglas am Dobro und auch mein Freund Jimmy Stewart, also viele akustische Instrumente. Auch Emery Gordy jun. spielte mit, wie gesagt, viele namhafte Musiker waren mit dabei. Ich war unheimlich stolz auf diese Arbeit, es war echte Country Music. Warner Brothers wollten dann, dass an Stelle der Texas Fiddle und Dobro, elektrische Gitarren eingesetzt werden sollten und forderten noch diverse andere Abänderungen, mit denen ich mich nicht einverstanden erklären konnte. Nach einer Woche Bedenkzeit entschied ich mich, die Plattenfirma um die Entlassung aus dem Vertrag zu bitten. IS: Wenn Du Deine Karriere noch einmal starten könntest, was würdest Du anders machen? SC: Ich glaube, ich würde in manchen Situationen besser mal den Mund halten! Das ist alles! IS: Wenn Du Dein Leben heute als Ganzes betrachtest, was hat Dir daran am besten gefallen? SC: .... lange, lange Pause... meint sehr nachdenklich: ich glaube das ist meine Familie, die Zeit die ich mit meiner Familie verbrachte. Auch die Zeit mit meinen Grosseltern, die mir immer sehr sehr viel bedeutet haben, die ich nun sehr vermisse! IS: Du hast Deinem Grossvater ein Lied gewidmet. Wie ist es entstanden? SC: Nun, es entstand während der Weihnachtszeit, als mein Grossvater in einem Spital in Arkinson lag und ich daran dachte, dass er wohl nicht mehr zu uns zurückkehren würde. Nach einem Besuch bei ihm, während der Fahrt zurück nach Nashville, reimte ich mir ein paar Verse zusammen, über den Grossvater den ich kannte, über meine Gefühle, wie sie wären wenn ich ihn jetzt verlieren würde. Solche Sachen gingen mir durch den Kopf. Zwischen Weihnachten und Neujahr sass ich mit meinem Songschreiber-Partner Tim Mensy zusammen und wir schrieben ein Lied über seine und meine Grosseltern. Da er etwa die gleichen Erlebnisse mit seinen Grosseltern hatte, konnten wir gleich fühlen, wir konnten unsere Gefühle gut gemeinsam niederschreiben. IS: Lebt Dein Grossvater heute noch? SC: Nein, leider ist er jetzt gestorben. Das Lied haben wir ursprünglich geschrieben, bevor mein Grossvater starb, aber kurz nachdem Tim's Grossvater gestorben ist. Mein Grossvater konnte damals wieder gesund nach Hause zurückkehren. Eines Tages schaute er die Ralph Emery Show am Fernsehen und sah mich, als ich das Lied The Grandpa that I know gesungen habe. Er realisierte natürlich, dass ich dieses Lied über ihn und für ihn geschrieben habe. Als er dann im darauffolgenden Jahr verstarb, wünschte er sich eine Beerdigung, so wie ich sie im Text beschrieben hatte. Es war ergreifend, ein unvergessliches Erlebnis. IS: Du sagst, wenn Du dieses Lied irgendwo singst, kommen Dir alle Erinnerungen wieder hoch, sie lassen auch einmal eine Träne zu. Wie reagiert denn das Publikum auf dieses Lied? SC: Nun, es ist ganz einfach gesagt ein starkes Lied, das immer und überall gut ankommt - es hat mich noch nie im Stich gelassen. Mit Tim zusammen zu schreiben ist für mich eine Herausforderung. Dabei entstehen eben solche ausdrucksstarken Lieder und dieses Lied im Speziellen ist etwas ganz Besonderes! IS: Ich danke Dir sehr, Shawn, für dieses lange Gespräch und ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft und sehr, sehr viel Erfolg in Deiner Karriere als Songschreiber, Künstler und Instrumentalist.
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