Interview with Matt King

Matt King
Matt King
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IS: Matt King, Du bist in einer musikalischen Familie aufgewachsen?

MK: Mein Vater spielte in der Kirche Gitarre und meine Mutter Klavier. Meine Mutter liebte die Musik von Elvis und mein Vater jene von Bill Monroe und Flatt+Scruggs. So hörten wir in meinen frühen Jugendjahren in unserer Familie Rock'n'Roll und sehr viel Bluegrass. In meinem Elternhaus wurde nie viel moderne oder gerade aktuelle Musik gehört, so verpasste ich die Zeit der Beatles ziemlich. Ich hörte praktisch nur klassische Country Music oder eben sehr viel Bluegrass, was mich auch für mein erwachsenes Leben prägte. Mein Vater erzählte mir, dass ich schon als kleiner Junge in seiner Gitarrenbox gelegen und an der Milchflasche gesaugt habe. Ich hätte immer wieder versucht, an der Gitarre herum zu zupfen. Das zeigt, dass ich mich schon damals der Musik hingezogen fühlte. Dann gab es leider schwierige Zeiten in unserer Familie und sie fiel auseinander. Ich fand bei meinen Grosseltern ein neues Zuhause. Die Musik bedeutete mir damals alles, ich suchte Trost in der Musik und sie war für mich der Lebens-Atem.

IS: Wann hast Du denn angefangen, vor Publikum aufzutreten?

MK: Mit sechs Jahren habe ich im Kirchenchor gesungen. Etwas später habe ich in Bluegrass-Shows mitgewirkt und in den 80er Jahren spielte ich in einer Rock' n' Roll Band.

IS: Wie hast Du Deine vielfältigen instrumentalen Fähigkeiten erlernt?

MK: Zuerst habe ich die Trompete gespielt, das war etwa in der vierten Klasse. Mit dreizehn Jahren etwa habe ich zur Gitarre gewechselt und ich habe es mir selbst beigebracht. Erst später, in der Hochschule, konnte ich Musikunterricht besuchen. Ich habe dann Musik studiert und sehr viel gelesen. Letzten Sommer habe ich angefangen, Mandoline zu spielen und ein wenig beherrsche ich auch das Banjo. Nun möchte ich mir ein neues Banjo kaufen und meine diesbezüglichen musikalischen Kenntnisse vertiefen. Ich möchte auf mein musikalisches Talent und meine Leistungen stolz sein können.

IS: Warst Du schon als Musiker oder Sänger in der Band von anderen Künstlern?

MK: Ich spielte von 1985 - 1988 in einer Rockband. Ich durfte wegen meinem südlichen Akzent nicht mitsingen, sondern nur als als Gitarrist arbeiten.

IS: Du hast erzählt, dass Du mit Bluegrass- und Gospel Music aufgewachsen bist und in Deinen Teenagerjahren auch zur Rockmusik gefunden hast. Was brachte Dich zur Country Music, wie sie Du heute spielst?

MK: Ich hörte immer Country Music, hingezogen fühlte ich mich aber stärker zur Bluegrass Music. Bluegrass hat mich aufgestellt, sie brachte mich zum lachen. Die teilweise traurigen Texte in der Country Music erinnerten mich immer wieder an die traurige Zeit, als meine Familie auseinander brach. In den Teenagerjahren wendete ich mich aus diesem Grunde vermehrt dem Rock'n'Roll zu. Mit neunzehn Jahren etwa hörte ich Randy Travis singen und dachte mir.. wow ... wer ist das, was singt er und ich fing an, mich für ihn zu interessieren. Da Randy ebenfalls ein Boy aus North Carolina ist, war mein Interesse für ihn etwas stärker. Dann hörte ich Keith Whitley singen und fragte mich, was ist das für Musik und was für Texte? So habe ich mich völlig in diese Art Country Music verliebt und dabei faszinierte mich auch der Rhythmus.

IS: Als Du Dich entschieden hast, die Country Music professionell zu verfolgen, wie lange hat es gedauert, bis Du den ersten Plattenvertrag unter Dach und Fach hattest?

MK: Es hat etwa elf Jahre gedauert.

Matt KingIS: Also war es kein "Ueber-Nacht" Erfolg?

MK: Nun, ein Ueber-Nacht-Erfolg ist das für mich allemal. Es ist mein Job, mit all den Erfolgen, aber auch den vielen Niederlagen, die man überwinden muss. Erfolg bedeutet für mich auch, nach Europa zu kommen oder am Radio gespielt zu werden. Wenn mir die Leute sagen, wie sehr sie das Lied und den Text lieben, berührt mich das sehr, ja, das ist für mich echter Erfolg.

IS: Die Plattenfirma Atlantic in Nashville haben zwei Alben von Dir veröffentlicht. Was meinst Du, weshalb der eigentlich mehr als verdiente Erfolg für diese beiden qualitativ hervorragenden Alben ausgeblieben ist?

MK: Meiner Meinung nach und das haben mir auch Leute vom Radio gesagt, hat das Label zu viel zu wenig Werbung gemacht. Meine Plattenfirma ist inzwischen geschlossen, sie war finanziell sehr krank, auch wenn sie Leute wie John Michael Montgomery und Neal McCoy unter Vertrag hatten. Ich, mit meiner eher klassischen Country Music, kam zu dieser Firma gerade zu jenem Zeitpunkt, als die ganze Music Szene im Umbruch war und sich mehr Richtung Pop orientierte. Natürlich liebten viele Leute meine Musik, doch die Presse und die Kritiker liessen nichts Gutes daran. Dank meinen zwei Alben habe ich aber heute immer noch Bühnenauftritte. Ich möchte aber keiner Person oder Institution Vorwürfe machen, weshalb es diese Alben nicht zum gewünschten Erfolg gebracht haben. Ich weiss nur, dass viele Radioleute und auch viel Country Music Fans meine traditionelle Country Music lieben. Es war vielleicht auch eine Frage des falschen Timings, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung die falsche Art Musik.

IS: Die Lieder auf beiden CD sind fast alle von Dir geschrieben oder mitgeschrieben worden. Was bedeuten Dir diese Songs?

MK: Alle diese Lieder repräsentieren eine Ära, in der ich versucht habe, ehrliche Gefühle auszudrücken. Dies gibt immer auch etwas sehr persönliches preis. Es soll jedoch nicht als Biographie verstanden werden. Ich versuche, Begebenheiten aus dem Leben darzustellen, mit denen sich Leute, welche die Musik dann hören identifizieren können, um selbst Erlebtes daraus zu erkennen und das Ganze habe ich mit etwas Pfeffer und Salz gewürzt.

IS: Du hattest exzellente und namhafte Mitschreiber im Team, die Dir zum Erfolg verhelfen sollten. Der Erfolg hätte viel grösser sein können, hätte die Plattenfirma das Produkt besser beworben. Sehr schade eigentlich. Wie schreibst Du Deine Lieder?

MK: Ich schreibe höchstens an drei Tagen in der Woche mit anderen Song-Schreibern zusammen. Ich komponiere meistens alleine, in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Ich habe ein Ideenbuch mit Notizen meiner plötzlichen Einfälle, die ich dann nach und nach einsetze und verwerte. Ich habe auch ein Tonbandgerät, worauf ich meine Ideen spreche, spiele oder singe, um sie danach zu Songs zu verarbeiten. Ich lese auch ausserordentlich viele Bücher und Magazine. Ich kann leider nicht auf Kommando schreiben, ich brauche meine Zeit, um kreativ zu sein.

IS: Fühlst Du Dich stolz, wenn Du sagen kannst: dieses Lied ist nun meine ureigene Idee und ich kann voll und ganz dahinter stehen?

MK: Wenn für mich alles perfekt ist, heisst das noch lange nicht, dass es auch beim Produzenten gut ankommt. Es kann auch sein, dass er meint, dieses Lied eignet sich nicht für mich oder mein Album. Es könnte sich für einen anderen Artisten besser eignen. Solcher Kritik sehe ich nach meiner mehrjährigen Erfahrung im Lieder schreiben aber gelassen entgegen.

IS: Ich wundere mich, weshalb keine anderen Artisten Deine Lieder aufgenommen haben?

MK: Nun, ich hatte bisher meine Songs noch gar nicht auf diesen wiederum speziellen Markt gebracht. Ich habe erst jetzt damit begonnen, meine Songs anderen zugänglich zu machen und ich muss in diesem Geschäft in Zukunft noch besser Fuss fassen. Ich habe bis anhin mein Material ausschliesslich für meinen eigenen Bedarf verwendet. Wade Hayes hat nun ein Lied von mir aufgenommen und auch Gary Morris, der eine ausgebildete Opernstimme hat. Mit Gary habe ich auch schon Lieder zusammen geschrieben. Es wurden die letzten Tage vier verschiedene Lieder ausgesucht, die andere Artisten aufnehmen werden.

IS: Du bist an verschiedenen Anlässen rund um die Fan Fair engagiert und Du spielst auch auf der Grand Ole Opry Plaza. Im Wildhorse Saloon spielst Du gleich an mehreren Abenden während der Fan Fair. Wie kriegst Du diese hochkarätigen Auftritte?

MK: Ich weiss nicht genau weshalb, ich bin einfach glücklich, wenn ich auf einer Bühne stehen und meine Lieder zum Besten geben kann. Es ist schön, sich auf diese Art ausdrücken zu können. Die Leute von Gaylord Entertainment unterstützen mich dabei tatkräftig. Sie liessen mich auf der Grand Ole Opry Plaza singen, brachten mich in den Wildhorse Saloon und sie geben mir viele Chancen, meine artistischen Vorstellungen zu verwirklichen. Ich hoffe und ich glaube, da gibt es Leute an der "Music Row", die das mitverfolgen und die mir eventuell auch eine Chance einräumen.

IS: Wir haben darüber gesprochen, dass Du in naher Zukunft ein neues Album machen möchtest. Du weisst aber heute noch nicht, welche Plattenfirma Dich dabei unterstützen wird.

MK: So lange ich in diesem Business arbeite, möchte ich sicher immer wieder neue Alben einspielen. Welche Plattenfirma das Produkt veröffentlichen wird, ist wieder eine andere Sache. Ich hoffe, dass ich meine Musik den verschiedenen Firmen hier in Nashville gut präsentieren kann und sie Gefallen daran finden werden. Wenn nicht, so gibt es auch noch einen Markt ausserhalb von Nashville und ich werde einen Weg finden, um mich zu verwirklichen.

IS: Hast Du jetzt schon eine Idee, was für Lieder Du für Dein nächstes Projekt wählen wirst? Werden es wieder traditionelle Country- und Bluegrasslieder sein oder wird es etwas komplett Neues?

MK: Das wird sich erst entscheiden, wenn wir im Studio arbeiten. Der Markt wird dies bestimmen. Da nehmen so viele Menschen Einfluss auf das, was ein Künstler macht, sei es im Text, der nicht zu traurig oder zu seicht sein darf, die Musik muss stimmen und dem jeweiligen Trend angepasst sein. Wir stellen uns aber vor, Lieder zu machen die textlich und musikalisch harmonieren.

IS: Bist Du schon ausserhalb den USA aufgetreten?

MK: Ich spielte einmal in Mexico und einmal, als ich durch Kanada reiste, sang ich eine Minute lang in einem Spielkasino, in das ich hineingeschmuggelt wurde. Das war vielleicht eine verrückte Geschichte.

IS: Wer ist "Matt King" als Privatperson?Matt King

MK: Ich bin ein vielseitig interessierter Mensch und ich bin Single. Ich lese sehr gerne und mich interessiert die amerikanische Urgeschichte. Meine Urgrossmutter war eine Vollblut- Eingeborene. Ich liebe die Natur, das Campieren und das Fischen und ich fröne dem Tauchsport. Letztes Jahr habe ich mit tauchen angefangen und im nächsten Monat gehe ich nach Florida, um zu tauchen. Matt King ist ein ganz normaler, eher ruhiger Mensch, ruhiger als auf der Bühne. Privat liebe ich das Diskutieren und Beisammensein mit guten Freunden. Ich suche Verbindung zu Leuten, die einen geregelten Job ausüben, Kultur lieben und die es schätzen, in Gesellschaft zu diskutieren, Ice tea trinken und sich dabei das "Neuste" zu erzahlen. Glücklicherweise hält mich mein Job stets auf Trab, ich muss stets versuchen, meine Karriere zu fördern. Ich habe also keine Chance, als "Einsiedler" zu leben.


Anmerkung von Irene Schmidt:
Dieses Interview mit Matt King habe ich im Juni im Hinblick auf seine geplante Tournee durch die Schweiz und Deutschland im November 2001 geführt. Die Tournee wurde leider abgesagt, da Matt King eine Chance erhalten hat, auf die er über 2 Jahre lang gewartet hatte. Er wurde an der Universität in Nashville für einen Kurs in "Leadership Music" aufgenommen. Dies ist ein sehr prestigeträchtiger Kurs und es ist sehr schwierig, aufgenommen zu werden. Eine wichtige Regel dieses Kurses ist, dass absolut keine Absenzen gemacht werden dürfen, sonst kriegt man das Diplom nicht. Ein solcher "Leader Ship Music Tag" wäre genau auf den wichtigsten Auftritt der Tournee gefallen. Matt King hatte sich auf seine Europareise sehr gefreut und er bedauerte es sehr, dass dieser unglückliche Umstand aufgetreten ist. Dieser Kurs kann für seine zukünftige Karriere ausserordentlich wichtig sein. Fairerweise muss auch noch gesagt werden, dass die Verträge von seiner Seite her noch nicht unterschrieben waren.

Discographie:

1997 "Five o'Clock Hero", Atlantic Records
1999 "Hard Country", Atlantic Records

 

http://www.mattking.com
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