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Interview with Don Van Tress
IS: Don van Tress, da Du der Songschreiber von Billy Ray Cyrus's Riesenerfolg "Achy Breaky Heart" bist, müsstest Du nicht mehr so hart arbeiten - Du könntest doch einfach zu Hause sitzen und das Leben geniessen? DvT: "Achy Breaky Heart" ist sehr gut für mich. Dieser Song hat mir viele Türen geöffnet und die Möglichkeit gegeben, Musik zu machen. Es hat mir die Freiheit gegeben, zu tun, was ich gerne tue - Musik schreiben und spielen. Sicher, ich könnte zu Hause bleiben und nichts tun, aber das wird nach einer Weile langweilig. IS: In der Originalversion von Billy Ray Cyrus wurde "Achy Breaky Heart" über 14 Millionen Mal verkauft. Aber es gab noch eine Menge anderer Versionen mit anderen Künstlern. Kannst Du mir etwas über den generellen Erfolg von "Achy Breaky Heart" erzählen.
IS: Weisst Du, wie viele Kopien weltweit verkauft wurden? DvT: Nein, das weiss ich nicht. Wie Du gesagt hast, hat Billy Ray über 14 Millionen verkauft. Die Zahlen, die wir Songschreiber erhalten, sind keine Verkaufszahlen, sondern Checks mit unseren Anteilen. IS: Waren die Checks hoch? DvT: Nun, ich war bei jedem Scheck über dessen Höhe erstaunt. Inzwischen sind diese Schecks natürlich nicht mehr so hoch und sie kommen auch viel seltener. Deshalb, nochmals ein grosses Dankeschön an alle, die unsere Musik unterstützen. Es bedeutet uns sehr viel. IS: Da gibt es den Song "Don't tell my heart", welchen die Marcy Brothers vor Billy Ray Cyrus aufgenommen haben und einen Song von George Jones mit dem Titel "Achin' breakin' heart" Was haben diese mit Dir zu tun? DvT: Da gab es tatsächlich einen Song mit dem Titel "Achin' breakin' heart" von George Jones; aber die Ähnlichkeit hört mit dem Titel auf. Ich wusste nichts von dem Song bis zum Erfolg von "Achy Breaky Heart". Dann gab es ein Video und einen Bericht der aussagte, dass ich oder Billy Ray den Song gestohlen hätten. Dies ist nicht korrekt. George Jones ist ein sehr guter Freund von uns und es gibt in der Musik nur eine begrenzte Anzahl Noten und da kann es hin und wieder zu Ähnlichkeiten kommen. Und die Marcy Brothers hatten meinen Song vor Billy Ray aufgenommen, der Titel wurde aber nie als Single veröffentlicht und hatte deshalb nie eine Chance für einen durchschlagenden Erfolg. Ich war von meinem Song sehr überzeugt und dachte, dass nach 3-4 Wochen ein bekannter Artist oder Gruppe ihn übernehmen würde, aber die Monate vergingen und nichts geschah. Einige Acts und ihre Labels hatten den Song zwar in einer engeren Auswahl und dann nahmen ihn die Marcy Brothers auf - es war effektiv die erste Aufnahme des Songs. Als ich das Lied schrieb, nannte ich es nach dem Refrain "Don't tell my heart" und so hiess der Song dann auch bei den Marcy Brothers. Noch bevor Billy Ray den Song aufnahm, spielte er ihn an seinen Live-Konzerten. Die Leute waren verrückt danach und nannten den Song "Achy Breaky Heart. So ist der Titel für Billy Ray entstanden. Aber ich bin noch immer stolz auf die Aufnahme der Marcy Brothers - denn es war doch die erste. IS: Schade, dass es die Marcy Brothers nicht mehr gibt. DvT: Ja, das ist wahr. Sie gehören zu den nettesten Leuten, die ich kenne. Wir treffen uns noch immer ab und zu. Sie haben einen tollen Humor. Ich bin sicher, dass sie sich ab und zu fragen, was wohl geschehen wäre, wenn der Song als Single veröffentlicht worden wäre - aber das Schicksal geht seinen eigenen Weg. IS: Wurdest Du noch nie eingeklagt, dass Du einen Song gestohlen hättest? DvT: Nein - da gab es zwar einen Typen in England, der sagte, ich hätte seinen Song "Chemical Trees" kopiert. Nun, ich war zuerst etwas beunruhigt, als ich das hörte. Sie sandten uns eine Kassette des Songs und er war unserem nicht einmal ähnlich. Wirklich, es ist mit aller Musik so: wenn wir Songs schreiben, nehmen wir Dinge, die wir über viele Jahre gehört haben, verändern sie, schreiben sie neu, nehmen Teile die wir mögen, lassen andere weg - machen etwas Neues daraus. IS: Wie hast Du "Achy Breaky Heart" geschrieben? Was ist dir dabei in den Sinn gekommen? DvT: Es war in einer Zeit, in der ich rund 40 Wochen pro Jahr von zu Hause weg war. Nebst meiner Familie ist die Musik meine grosse Liebe. Bereits als ich noch meinen Beruf als Tapezierer ausübte, hatte ich immer ein kleines "Musikstudio" und ein Gitarre dabei und übte mich zum Spass im Songschreiben und Singen. Als ich bei meiner Schwester in den Smokey Mountains war, dachte ich mir, es wäre lustig, einen Song über eine traurige Situation, verpackt in eine lustige Melodie zu schreiben. Ich hatte die Idee von einem Typen, dessen Herz verletzlich war und viele Male zerbrochen wurde. Eine Trennung wäre viel einfacher, wenn kein Herz involviert wäre. So schrieb ich den ersten Vers und die Akkorde auf meiner kleinen Gitarre und brachte ihn zu einem Publisher in Nashville. Er sagte, der Song hätte wirklich etwas faszinierendes; ich solle nach Hause fahren und das Lied fertig schreiben. So, Achy Breaky Heart kam aus meiner Liebe zur Musik und ich danke Gott dafür. IS: Nun ist es ja schon einige Jahre her, dass du diesen Song geschrieben hast und in der Zwischenzeit hast Du viele andere Stücke geschrieben. Erzähl uns etwas über die andere Lieder. DvT: "Achy Breaky Heart" hat mir ermöglicht, weiter zu machen und andere Songs zu schreiben und dies bedeutet mir sehr viel. Die Zusammenarbeit mit Billy Ray, Keith Hampton und anderen ermöglichte es, Songs zu schreiben, die uns nicht nur musikalisch sondern auch inhaltlich bewegten. Das ist z.B. der Song "Geronimo", den ich mit Keith Hampton schrieb. Er handelt davon, wenn Geronimo's Geist zurück käme und uns fragen würden, ob wir richtig handelten, als wir ihm sein Land, seine Freiheit, seine Seele und seine Familie wegnahmen. Er wirft einen Blick darauf, wie wir heute mit der Welt umgehen. Es ist auch wirklich ein Glück, mit jemandem wie Billy Ray Cyrus befreundet zu sein, der ein Herz und ein Gefühl für diese Art Musik hat. Es gäbe aber noch weitere Songs, wie "Ain't your dog no more" oder "When I'm gone", den ich mit Billy Ray geschrieben habe, als wir darüber nachdachten, was die Leute über uns denken werden, wenn wir die Erde verlassen haben. Und "Talk some" auf Billy Ray's 2. Album habe ich auch geschrieben als ich noch Tapezierer war - ein schneller Tanzsong mit Wortspielereien. Auf dem "Trail of Tears" Album gibt es einen Song, der Billy Ray und mir sehr viel bedeutet: "Call me Daddy". Als wir dieses Lied schrieben, war mein Vater gerade gestorben und Billy Ray's Vater war dem Tod nahe. Das Stück erzählt darüber, wie wir kommen und gehen, in der Hoffnung, dass wir eine Familie hinterlassen, die weiterführt, war wir begonnen haben. Billy Ray und ich hatten auf dem Album auch den Song über Carl Perkins, eine Rock'n'Roll Legende und ein Hero von uns. Billy Ray und ich, zwei Hillbillys, liebten seine Musik. Der Song heisst "The truth is alive" und ist mein liebster Song auf dem Album "Trail of Tears". von Billy Ray Cyrus. Nun ich denke, ich könnte noch viele aufzählen. IS: Haben noch andere Künstler Deine Songs aufgenommen? DvT: Nebst den inzwischen unzähligen Versionen von "Achy Breaky Heart" nahmen die Oak Ridge Boys "Fool" auf, dieser wurde in Amerika gespielt, aber kaum auf dem internationalen Markt. Jeff Copley von Nashville nahm "Evergreen" auf, ich glaube, das Album heisst sogar so. Das ist einer meiner Lieblingssongs - eine Art Romeo und Julia Geschichte. Oder "A Buro's Tale", ein Weihnachtssong, der Curtis Young und Cindy Walker aufnahmen. Durch meine Verbindung mit Billy Ray gehen meine Songs immer zuerst zu ihm. Glücklicherweise nimmt er dann viele von ihnen auf.
DvT: Als ich "Achy Breaky Heart" schrieb, hatte ich einen Publishingvertrag mit Harold Shed an als Boss. Er produzierte u.a. The Kentucky Headhunters und Alabama. Ich hatte eine gute Beziehung zu ihm. Aber so wie sich die Dinge entwickelten, machte es mehr Sinn für mich, eine eigene Publishing-Company zu gründen. Meine Songs gehen jetzt zuerst an Billy Ray. Natürlich habe ich auch zehn meiner Favoriten auf mein eigenes Album "Ghost Dance"aufgenommen. IS: Wie sind "Achy Breaky Heart" und Billy Ray Cyrus zusammen gekommen? DvT: Nun, da hat das Schicksal eine Rolle gespielt . Ich hatte zwei gute Freunde namens Jim Cotton und Joe Scafe. Jim hatte Mitte der achziger Jahre, vier meiner Songs produziert, als ich selbst versuchte, einen Record-Deal zu landen. Als wir Achy Breaky Heart als Demo aufnahmen, produzierte er gleichzeitig andere Acts. Als wir Achy Breaky Heart spielten, mochten sie's. Sie versuchten beide, einen Künstler zu finden, der den Song aufnehmen sollte. Aber da war niemand, der wirklich gepasst hätte. Sie behielten Achy Breaky Heart bei ihren Favoriten und hörten ihn sich immer wieder an. Ungefähr 1990 (du weisst die Facts wahrscheinlich besser als ich) kam Harold Shed und sagte, sie hätten Billy Ray Cyrus aus Kentucky und ob sie ihn produzieren möchten und sie willigten ein. Ich hatte Billy Ray damals noch nicht getroffen. Jim und Joe sahen ihn sich an, brachten ihm das Tape von Achy BreakyHeart und spielten es ihm und seiner Band vor. Sie waren sofort begeistert und spielten den Song in ihren Live-Shows. Diet Leute reagierten verrückt und tanzten auf den Tischen. Sie mussten den Song 4-5 Mal pro Abend spielen. Ich muss wirklich Jim Cotton und Joe Scafe danken, dass sie die Vermittler waren. Bis dahin dachte ich mir nicht viel dabei, denn oftmals bedeutete es nicht viel, wenn irgend jemand Unbekannter wie dieser Billy Ray Cyrus, einen Song einspielte. Ich traf Billy Ray dann erst Monate nachdem er den Song aufgenommen hatte, aber noch vor der Veröffentlichung. Als wir uns vorstellten, spielte er mir seinen Song "Some gave all" vor. Ich denke, Billy Ray wusste, dass ich ein Vietnam Veteran war und in diesem etwas dubiosen Krieg gekämpft hatte. Der Song berührte mein Herz und ich erinnere mich daran, wie ich ihn ansah und dachte, dass er eine wirklich spezielle Person sei. Ich dankte ihm für "Some gave all" und er dankte mir für "Achy Breaky Heart" - seit damals haben wir eine grossartige Freundschaft und ich spiele in seiner Band. IS: Dies hat zwar nichts mit dir zu tun; aber ich finde es unglaublich wie sehr Billy Ray Cyrus von der sogenannten ‚High-Society Press' unterschätzt wird. Sie berichteten nur über Achy Breaky Heart, aber er hatte so viele gute andere Songs. Wie kann man nur erwarten, dass er nochmals so einen Riesenhit mit landet. Es ist für ihn doch fast unmöglich, nochmals von einem Song 14 Millionen zu verkaufen. DvT: Dies ist etwas, mit dem er fast von Anfang an umgehen musste. Dies ist etwas Unerklärliches. Man kann es vielleicht mit der Filmindustrie vergleichen. Wenn es dort einen guten tiefen Film mit viel Bedeutung gibt, erhält er nicht soviel Echo wie eine gute Komödie oder ein Action Film. Vielleicht hinkt der Vergleich etwas. Ich denke Billy Ray spürt noch immer die Nachwehen von Achy Breaky Heart und es ist ein zweischneidiges Schwert. Der Song hat grossen Erfolg gebracht - hat sich aber für ihn zu einem richtigen Hindernis entwickelt, das er noch immer zu überspringen versucht. Wenn man sich einige seiner andern Songs anhört "One last thrill", oder "Storm in the Heartland", ich finde, er hat einfach grossartige Sachen geschrieben und aufgenommen, wird aber immer nur mit dem unbeschwerlichen Achy Breaky Heart verglichen. Ich glaube nicht, dass es einen wirklichen Grund gibt - es passiert einfach so. IS: Du hast ja nun selbst ein Album aufgenommen. Wie siehst du deine Zukunft? Würdest Du die Band verlassen, um eine Solokarriere zu verfolgen? DvT: Mein Album ist nun fertig und heisst "Ghost Dance". Darauf sind 10 Songs, die mir viel bedeuten, mich berühren. Die Art Musik, wie ich sie schreibe, passt nicht in das "Nashville-Format". Also, anstatt mich zu verändern, um dort rein zu passen, werde ich weiterhin die Songs schreiben, die mir etwas bedeuten. Ich habe also zehn solche Songs aufgenommen mit der Hilfe von einigen Freunden. Michael Joe Sagraves spielte auf einigen, Terry und Billy Ray sangen mit und schrieben einige davon mit mir. Ich bin sehr stolz darauf. Das war immer mein Traum - wohl seit ich damals zum ersten Mal "Don't be cruel" hörte. Vielleicht habe ich mit diesem Album eine Chance, und wenn nicht - habe ich mir immerhin einen Lebenstraum erfüllen können. Billy Ray und ich haben darüber disskutiert, was geschieht, wenn das Album Erfolg haben sollte. Ich würde sein Opening Act sein aber trotzdem in der Band weiter spielen. Wir alle sind wie Brüder und hoffentlich können wir gemeinsam so weiter machen und noch mehr Spass haben. IS: Ich habe schon viel gehört über die starke Verbindung, die Billy zu seiner Band hat. Ich habe auch schon bei einem Soundcheck zugesehen. BRC kam herein und hat alle persönlich begrüsst und gefragt, ob ihr einen tollen Abend hattet etc. Ich konnte sehen, dass die Verbindung zwischen Euch wirklich stark ist. DvT: Das ist wahr und wir sind sicher nicht die einzige Band. Aber unsere Jungs haben bereits viele Jahre mit ihm gespielt und ich selbst bin auch schon einige Jahre dabei. Wir haben eine enge Verbindung. Weisst du, die Höhen und Tiefen haben uns noch näher zusammengebracht. Wir sind stolz darauf, unsere musikalische Integrität bewahrt zu haben und dass wir uns treu geblieben sind. Wir werden immer verbunden sein. Es ist wie eine erweiterte Familie. IS: Wo trefft ihr euch, wenn ihr nicht auf Tour seid? DvT: Ich lebe etwas 2 Stunden ausserhalb von Nashville. Einige leben noch weiter weg (West Virginia, etc.). Irgendwie ist es gar nicht schlecht, wenn wir zwischen den Konzerten etwas Distanz zueinander haben. Nachdem wir so eng zusammen sind, tut es ganz gut, nach Hause zu gehen und Zeit mit der Familie zu verbringen. Aber wir treffen uns auch ab und zu zwischendurch in Nashville. IS: Wie arbeitet ihr? Intensiv einige Tage oder Wochen aneinander? DvT: Wir arbeiten anders als andere. Wir machen etwas 80 bis 100 Konzerte pro Jahr. D.h. wir sind jeweils 2-3 Tage zusammen und gehen danach wieder nach Hause. Wir alle haben Familie, lieben sie und vermissen sie, wenn wir da draussen sind und Musik für unsere Fans machen. Billy Ray vermisst sein Zuhause auch sehr. Deshalb versuchen wir, eine Balance zwischen Karriere und Privatleben zu schaffen. Wir sind in einer glücklichen Situation. Unser Terminplan passt gut zu unserem Lebensstil. IS: D.h. also, ihr reist 2-4 Stunden bis nach Nashville, dort geht's mit dem Bus oder Flugzeug zu den Konzerten, danach reist ihr wieder nach Hause, bleibt dort 2-3 Tage und schon wieder geht's los. Das sind viele, viele Stunden on the road! DvT: Nun, es ist besser 2-3 Stunden nach Hause zu fahren und meine Familie zu sehen, als 5 Stunden weiter zu reisen und per Telefon mit ihnen zu sprechen. Klar, wir reisen sehr viel. IS: Wäre es nicht einfacher, wenn ihr alle in nächster Nähe von Nashville leben würdet? DvT: Das ist wahr, aber wir alle haben starke Wurzeln zu Hause. Wir alle wissen, dass unser Beruf eine kurzfristige Sache sein kann. Man kann heute an der Spitze sein und im nächsten Jahr ganz unten. Wir alle haben das erlebt. Deshalb bleiben wir alle dort, wo wir verwurzelt sind. Es wäre ein grosses Risiko, wenn wir unser Zuhause deswegen aufgeben würden. In Nashville gibt's Tausende gute Sänger, Bands und Songwriter. Wir haben das beste von beiden Welten: Tours, grossartige Fans und ein Zuhause. IS: Don ich danke Dir für das Interview und ich wünsche Dir, dass Du Deine Träume verwirklichen kannst.
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