Interview with Chad Brock

Chad Brock

Chad Brock

mit Bob Saporiti von Warner Brothers bei der No.1 Party

 

IS: Chad, was ist es für ein Gefühl, den No.1 Country-Song der Nation in der Hitparade zu haben?

CB: Um ehrlich zu sein, ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Es fühlt sich aber wunderbar an, von der Country-Music-Industrie anerkannt zu werden. Meine Sorge ist jetzt allerdings, was nach dieser Hit-Single kommt und ob ich die Erfolgs-Erwartung in mich mit einer weiteren Single erfüllen kann.

IS: Erzähl uns von Deiner Vergangenheit?

CB: Ich hatte praktisch jeden Job, den man sich vorstellen kann. Ich ging ins College, beendete dieses jedoch nicht, weil ich dann mit Arbeiten Geld verdienen wollte. Bei einer Autovertretung verkaufte ich dann Autos. Weil mir dieses Geschäft aber nicht meinen Vorstellungen entsprach, wechselte ich Ende der 80er Jahre in die neu aufstrebende Branche der Mobil-Telefonie. An den Wochenenden spielte ich mit meiner Band und es dauerte 15 Jahre bis ich einen Plattenvertrag mit Warner Brothers abschliessen konnte. Nun sitze ich in Nashville mit meinem 2. No.1-Song. Also hat sich doch alles gelohnt.

IS: Du hattest auch eine Karriere als Wrestler?

CB: Ja, ich hatte einige Erfolge als Wrestler. Inzwischen bin ich als Profi-Wrestler der Country-Szene bekannt. Ich selbst betrachte mich nicht als Wrestler, sondern als Country-Sänger.

IS: Mit was für Musik bist Du aufgewachsen?

CB: Ich bin in Florida mit Southern-Rock, Bluegrass- & Country-Music aufgewachsen. Ich hörte mir die Outlaws, Conway Twitty oder George Jones an und ich liebe Bluegrass.

IS: Bitte erzähl uns über Deinen ersten öffentlichen Auftritt:

CB: Mit 6 Jahren habe ich in der Kirche Amazing Grace gesungen. Ich war sehr nervös, aber es war ein tolles Gefühl und als die Leute zu mir kamen und mich lobten, war meine Welt perfekt.

IS: Wie lange dauerte es, nachdem Du nach Nashville gekommen bist, bis Dein Produkt im Laden zu kaufen war?

CB: Ich war 2 ½ Jahre in Nashville, als ich mit Warner Brothers einen Plattenvertrag abschliessen konnte und nach 4 Jahren wurde im Juli 1998 die erste Single Evangeline veröffentlicht. Total wurden inzwischen 5 Singles ausgekoppelt. Ordinary Life und Yes wurden No.1 Songs und Lightning does the Work ein Top 10 Song. A Country Boy can survive mit Hank Williams jun. und George Jones war eine kurzlebige Single, die es aber in die Top 20 schaffte und grosse Beachtung genoss. Ich konnte somit bis heute ganz wunderbare Erfolge feiern.

Chad Brock
Chad beim Softball Game

IS: Du hattest viel Zeit für Deine erste CD – aber nur zwei Jahre für Dein zweites Produkt. Was war der Unterschied?

CB: Es hat nicht so lange gedauert, gute Songs für die zweite CD zu finden. Mit dem Erfolg der ersten CD haben mir dann viele Leute gute Songs zugespielt und die Entscheidung wurde leichter. Das war ein Prozess, der 9 Monate dauerte.

IS: Nach was für Aspekten hast Du die Auswahl getroffen?

CB: Ich wählte Songs, die mich emotional ansprechen. Ich liebe gute Texte, sie sind mir sehr wichtig. Ich brauche Fleisch am Knochen....

IS: Welches ist Dein Lieblings-Song der neuen CD?

CB: Ich kann diese Auswahl nicht treffen. Ich hätte keiner dieser Songs ausgewählt, wenn ich sie nicht alle lieben würde. Ich spiele alle Lieder auch in meinen Live-Shows.

IS: Bist Du auf einen Titel besonders stolz?

CB: Ja, auf den Song Yes. Darin geht es darum, wie ich meine Frau kennen gelernt habe und es ist mein zweiter No.1 Song.

IS: Erzähl, wie Du Deine Frau kennengelernt hast?

CB: Sie war die Nachfolge-Mieterin meiner Wohnung. Sie hat noch Post für mich erhalten, die ich bei ihr persönlich abholte. Ich habe sie gesehen, mit ihr gesprochen und es hat zwischen uns sofort gefunkt. Auf dem Festival in Graponne, Frankreich, habe ich dann offiziell um ihre Hand angehalten und innerhalb 10 Wochen waren wir verheiratet.

IS: Was hat Dich denn dazu bewogen, in Frankreich, auf der Bühne um ihre Hand anzuhalten?

CB: Ich wusste, dass ich am 31. Juli 99, der mein 36. Geburtstag war, in Frankreich auftreten würde und ich dachte, dass dies eine romantische Gelegenheit wäre. Ich habe den Uebersetzer des Festivals darum gebeten, dem Publikum zu erklären, was jetzt passieren würde. Ich habe dann Marleda auf die Bühne gebeten, bin auf meine Knie gegangen, den Verlobungsring aus der Hosentasche geholt und sie gefragt, ob sie meine Frau werden will und sie hat Yes gesagt. Darauf habe ich für sie den Song Yes gesungen.

IS: Hat Marleda denn von Deinem Vorhaben gewusst?

CB: Sie hat es nicht gewusst, aber gefühlt.

IS: Wann hast Du den ersten Song geschrieben und was ist daraus geworden?

CB: Ich war etwa 13 Jahre alt. Den Text habe ich auf einen Notizblock geschrieben. Kürzlich habe ich ihn wieder im Büchergestell meines Vaters gefunden. Der Song ist ziemlich schlecht.

IS: Welchen erfolgreichen Song hättest Du gerne selbst geschrieben und mit welchem Song gerne selbst als Sänger einen Erfolg gehabt?

CB: He stopped loving her today ist für mich der schönste Song, den es überhaupt gibt und Ships that don’t come in mit dem Joe Diffie einen Erfolg hatte, hätte ich gerne gesungen.

IS: Wie bist Du als Privatperson?

CB: Ich bin so, wie du mich jetzt vor dir siehst. Eigentlich weiss ich nicht, wie ich als Privatperson sein sollte. Ich lebe, ich esse, ich atme und ich schätze, dass meine Frau mich so 24 Stunden im Tag ertragen muss - eben so wie ich halt bin: ich liebe es aber, so zu sein, wie ich jetzt bin.

IS: Welche Hobbys betreibst Du?

CB: Ich sitze sehr oft an meinem Computer und ich spiele gerne Golf, wenn ich die Zeit dazu finde. Ich schaue, wenn die Zeit dazu reicht, Football, aber am meisten beschäftige ich mich mit allem, was mit Musik zu tun hat.

IS: Wie entspannst Du Dich?

CB: Ich schliesse in der Nacht meine Augen, das ist für mich die einzige Möglichkeit, um zu relaxen.

IS: In welcher Weise hat der Erfolg Dein Leben verändert?

CB: meint lachend: .. ich kann nun mehr unnützes Zeug kaufen: Nun - Spass beiseite, der Erfolg hat mein Leben nicht gross verändert.

IS: Hat sich denn Dein Freundeskreis verändert?

CB: Nein, ich habe immer noch die selben Freunde um mich, die ich schon immer hatte. Ich bin glücklich, mit diesem Erfolg zu leben und dafür noch bezahlt zu werden. Ich hatte auch schon Erfolg, bevor ich 20 Jahre alt war und ich habe jetzt mit 35 Jahren immer noch Erfolg und daran möchte ich nichts ändern. Ich liebe es, so wie es jetzt ist und ich bin sehr glücklich und dankbar für meinen Plattenvertrag.

IS: Wie denkst Du darüber, dass Deine Karriere mit einer grossen Plattenfirma erst mit über 30 Jahren begonnen hat? Wenn man zum Beispiel LeAnn Rimes, Alecia Elliott oder Jessica Andrews erwähnt, die ihre Karriere schon mit 13-15 Jahren gestartet haben?

CB: Ich habe eine gewisse Lebenserfahrung, die ich zu Songs verarbeiten kann oder Themen die andere Songwriter zu Songs verarbeitet haben, glaubwürdig vertreten. Die Leute glauben mir, wenn ich über ein bestimmtes Thema singe. Ich selbst habe eher Probleme damit, wenn junge Mädchen wie LeAnn, Alecia oder Jessica ernsthafte Texte aus dem Leben besingen, aber das in ihrem jungen Leben nie erlebt haben und daher auch nicht glaubwürdig wirken können: Ich denke, man sollte sie Texte singen lassen, die zu ihrem jungen Alter passen - aber - das ist nicht meine Entscheidung. Ich persönlich würde nie Texte singen, die man mir nicht abnehmen kann. Ich denke, diese jungen Mädchen entfernen sich vom eigentlichen Sinn der Sache, sie machen auf Show damit die Leute sagen, oh ... was für ein nettes Girl und nicht - wow - was für ein guter Text!

Chad Brock
mit Ehefrau Marleda

IS: Was war Dein bisher glücklichster Moment?

CB: Oh, was war das? (wirkt sehr ernst und nachdenklich). Das ist eine schwierige Frage, ich hatte so viele. Nun, einer davon war sicher, als ich meine Frau kennenlernte. Auch der heutige Tag war für mich ausserordentlich emotional, als ich für den zweiten Nr.1-Hit geehrte wurde und man mich hier im Wildhorsesaloon mit einer wunderbaren Party überrascht hat. Ich weiss gar nicht, wie ich dieses Gefühl beschreiben soll. Ich habe nicht den Status wie z.B. ein Tim McGraw, so dass ich nun sorglos in die Zukunft schauen könnte, aber so ein Moment, wenn man eine Auszeichnung erhält macht glücklich, stark und zufrieden. Es gibt Sicherheit auf dem richtigen Weg nach oben zu sein und bestätigt die bisherigen Anstrengungen. Es motiviert mich unheimlich, noch härter an mir zu arbeiten, um bald den nächsten Nr.1-Hit zu landen. Es gibt mir auch die Kraft, um auf einen nächsthöheren Level zu kommen, so dass ich auch einmal einen eigenen, grossen Tour-Buss kaufen kann, damit meine Frau und auch unsere Kinder, die hoffentlich einmal kommen werden, mit auf Tournee nehmen kann. Dies liegt im Moment noch nicht drin.

IS: Was macht Dich ungeduldig, was nervt Dich?

CB: Unhöfliche Menschen: Ich mag keine Menschen, die Andere in Gefahr bringen, das macht mich echt zornig. Dann kommt der Wrestler-Typ aus mir heraus.

IS: Hast Du eine interessante oder lustige Geschichte zu erzählen, die Du mit Fans gehabt hast?

CB: Oh.... ähm.... da gibt es deren viele.

IS: Oder vielleicht eine Geschichte die Dich besonders berührt?

CB: Nun, ich habe viele Fans, meistens Männer, die zu mir kommen und sagen dass mein Song Ordinary Life ihr Leben verändert hat. Auch in E-Mails und Briefen an meinen Fan-Club schreiben sie, dass sie glücklich sind, dass ich dieses Lied singe, dass gerade dieses Lied sie dazu bewogen habe, über ihr eigenes Leben nachzudenken und es sie dazu bewogen hat, doch zu Hause bei der Familie zu bleiben, auch wenn sie eigentlich Alles hinter sich lassen wollten. Solche Schicksale bewegen mich zutiefst.

IS: Was für ein Gefühl ist es für Dich, wenn Du Dich selbst im Radio hörst?

CB: Natürlich finde ich es grossartig, es ist wirklich cool, wenn man sein Lied im Radio hört.

IS: Wie wichtig war für Dich Radio hören, bevor Du Deine Karriere gestartet hast?

CB: Oh, Radio zu hören war für mich schon immer sehr wichtig und ich höre auch heute noch den ganzen Tag Radio. Radio ist ein wichtiger Vermittler zwischen den Menschen und kann die Masse erfassen, im Gegensatz zu Video’s, die man sich zu Hause ansieht. Auch wenn die Video‘s gut gemacht sind, so denke ich doch, dass Country-Music über das Radio gespielt viel attraktiver ist und eben, auch mehr Leute erfassen kann. Die Radiostationen sind sehr wichtig, um die Country-Musik zu fördern und sie populär zu machen. Ich bin ein grosser Radio Fan.

IS: Was sind die Plus- und was die Minuspunkte an Deiner Karriere?

CB: Nun, ich kann nicht sagen, dass ich daran etwas gar nicht mag. Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden und wusste genau, was auf mich zukommt - wieviel harte Arbeit es mich kosten wird, was ich der Plattenfirma schuldig bin und wieviel mir das alles bedeutet. Ich liebe diese Arbeit und ich bin froh, diese Entscheidung getroffen zu haben.

IS: Hast Du Jemanden um Dich herum, dem Du zu 100% vertrauen kannst, der Dir die volle Wahrheit sagt, auch wenn diese Wahrheit nicht immer angenehm ist?

CB: Ja, mein Manager John Hill steht mir schon seit zwei Jahren mit Rat und Tat zur Seite. Er informiert mich über Alles, kritisiert mich und wir können alles miteinander besprechen. Das funktioniert hervorragend.

IS: Wie kannst Du Deine vielen Reisen zu Konzerten angenehm gestalten?

CB: Ich habe meinen eigenen kleinen Raum hinten im Bus, wohin ich mich zurückziehen kann.

IS: Wenn Du Deine Karriere nochmals starten könntest, würdest Du etwas ändern?

CB: Nein, ich glaube nicht. Ich würde es wieder gleich machen. Ich meine, das Ganze ist ein ewiger Lernprozess und ich bin wirklich glücklich, so wie es jetzt läuft.

IS: Was für einen Rat würdest Du einem jungen Künstler geben, der kurz vor einem Plattenvertrag steht?

CB: Ich rate ihm: lass dir nicht vorschreiben, was ein guter Song ist: Höre mit deinem Herzen selber hin, immer und immer wieder und wenn dir der Song nach Monaten immer noch gleich gut gefällt, so wähle diesen Song aus, denn nur so kannst du dieses Lied mit Ueberzeugung und Leidenschaft aufnehmen. Du musst dich voll und ganz dafür einsetzen können, nur so tönt es auch glaubwürdig.

IS: Du wirst am 8. und 9. September an der Country Night in Gstaad auftreten. Was weisst Du über Gstaad und dieses Festival?

CB: Ich hörte, da kommen viele, viele Leute. Und ich hörte, dass es ein wunderschöner Ort in den Bergen ist. Ich bin schon ganz aufgeregt, kann es kaum erwarten, bis ich wirklich da bin. Ich liebe es, an einem Ort zu spielen wo die Leute noch nicht wissen, wer ich bin und meine Musik noch nicht kennen. Ich war schon in Deutschland, in Frankreich und in Polen, aber noch nie in der Schweiz. Ich freue mich auf diesen Auftritt unheimlich.

IS: Was erwartest Du von diesem Auftritt?

CB: Grossen Spass:

Chad Brock
Auftritt an der Fan Fair

IS: Gibt es etwas, das Du aus Amerika mitbringen wirst, um sicher zu sein, dass Du es nicht vermisst?

CB: Meine Frau - Spass beiseite, da kann man sicher alles kaufen - ich fliege einfach mal hin und erledige meine Arbeit.

IS: Wenn Du vorher gewusst hättest dass Du mit Yes diesen Riesenerfolg haben wirst, hättest Du den Vertrag mit Gstaad trotzdem unterzeichnet?

CB: Oh ja selbstverständlich, ich würde auch nächstes Jahr kommen, wenn ihr mich darum bittet.

IS: Ich bedanke mich für das Interview, so kurz vor Deinem Konzert ganz herzlich.


Bemerkung:

Nach dem Interview haben wir die Show von Chad Brock im Wildhorse-Saloon angesehen. Wir sind zusammen mit Chad und seinem Management durch den Saloon, wo bereits die Fans auf sein Konzert warteten, hinter die Bühne gelaufen. Uns ist dabei sehr angenehm aufgefallen, wie sich Chad gegenüber den Leuten verhalten hat. Wo immer er begrüsst wurde, hat er gestoppt und die Leute mit der Hand begrüsst. Hinter der Bühne hatte er für alle ein nettes Wort und für das Interview hat er sich direkt vor dem Konzert 25 Minuten Zeit genommen – was eher selten ist. Er war sehr ruhig und das Konzert begann pünktlich. Auf der Bühne sprüht Chad Brock vor Energie – seine Bühnenpräsenz ist enorm – die Fans betrachten ihn wie ein Kollege. Seine Show ist gut durchmischt mit wunderschönen Balladen und Power-Songs. Höhepunkt war sicher, als beim Song Yes Chad’s Ehefrau Marleda auf die Bühne kam. Wir sind davon überzeugt, auch wenn nicht Chad der Headliner der Country-Night Gstaad ist, wird sein Auftritt für viele Country-Music-Freunde der Höhepunkt werden.

Der Song Yes konnte sich während 3 Wochen auf dem obersten Platz auf dem Podest halten und Chad sagt, dass seine nächste Single The Visitor vom Text her ein sehr starker Song sei und er in den Song grosse Hoffnungen gesetzt habe.

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