|
Interview mit Burrito Deluxe
Burrito
Deluxe
Interview
Arthur Furrer, Nashville 5. Juni 2006
|
| |
|
Fleissige Albisguetli-Besucher kennen Burrito Deluxe von ihrem
Auftritt im 2003. Die Band wurde im Jahr 2000 von „Sneaky“
Pete Kleinow gegründet, der auch schon Mitgründer der
Flying Burrito Brothers war. Der Bandname stammt vom 1970er Album
dieser Band „Burrito Deluxe“. Die Geschichte der Mitglieder
der Burrito Deluxe würde Bücher füllen und die ganze
Entwicklung des Country Rock mit sich ziehen.
Wer von dieser Band Museums-Musik erwartet, ist aber falsch gewickelt.
Da kommt ein frischer, gefälliger Sound auf uns zu. Die ins
Alter gekommenen Jungs ziehen alle Register ihrer Erfahrung und
setzen neue Akzente obendrauf.
Trotzdem, etwas Geschichte über die Bandmitglieder liest sich
wie das „Who is Who“ der neuzeitlichen Country Musik.
Die Flying Burrito Brothers wurden von Gram Parsons, Chris Hillman,
Chris Ethridge und Pete Kleinow gegründet. Ihr innovativer
California-Sound war die Wiege des Country Rock und beeinflusste
viele Bands nach ihnen, so auch die Eagles. 2005 zog sich „Sneaky“
Pete zurück und ging nicht mehr auf Tour. Doch der Sound von
damals lebt noch heute in der Americana Musik und in der Musik von
Burrito Deluxe. |

Charlton Moody, Richard Bell, Arthur Furrer (Interviewer)
|
|
Das erste Album der Burrito Deluxe war 2002 „Georgia
Peach“, ein Tributalbum für Gram Parsons. 2004 kam dann
„The Whole Enchilada“, auf dem der Keyboarder der Gruppe
„The Band“, Garth Hudson mitspielte. Diesen Sommer kommt
das Album „DISCIPLES OF THE TRUTH“ heraus, für das
sich die Band mächtig ins Zeug legte.
Carlton Moody, der Gitarrist, Mandolinen-Spieler und Sänger der
Band ist bekannt als Gründer der Moody Brothers. In dieser Formation
wurde er mehrmals für einen Grammy nominiert. Elektrische Gitarre
und die Harmoniestimme in der Band kommt von Walter Egan. Er war Co-Writer
des Hits „Hearts on Fire“ auf Gram Parsons letztem Album
und produzierte auch die Singel „Magnet and Steel“ der
Fleetwood Mac. Stick Davis liefert die Basstöne. Stick war Mitgründer
der Amazing Rhythm Aces und spielte mit viele Grössen der Musikwelt,
wie z.B. John Mayall, Al Green und B.B. King. Der Kanadier Richard
Bell am Keyboard wurde 1991 Mitglied von The Band. Früher spielte
er in den Bands von Janis Joplin und Bonnie Raitt. Zu guter letzt
Bryan Owings am Schlagzeug. Er lebt seit ende der 80er Jahren in Nashville
und ist dort tief in der Americana-Szene verwurzelt. So half er auf
Produktionen von Buddy und Julie Miller, Delbert McClinton, Shelby
Lynne, Lee Roy Parnell und den Amazing Rhythm Aces.
Jeder von uns hat demzufolge das eine oder andere Mitglied der Burrito
Deluxe in irgendeiner Formation schon gehört. Schon nach ein
paar Tönen Burrito Deluxe-Musik kommt sie einem bekannt vor.
Diese Musiker haben die Musikgeschichte mitgeschrieben, finden aber
immer wieder neue Inspirationen sie weiterzuentwickeln. Immer wieder
beeindruckend sind ihre Live-Auftritte. Neben Tours durch die USA
kommen die Burrito Deluxe dieses Jahr auch wieder nach Europa. London,
Dublin, Barcelona, Mirande und weitere Destinationen werden sie besuchen,
aber leider ist ein Abstecher in die Schweiz nicht vorgesehen. |
Anlässlich des CMA Music Fests 2006 in Nashville hatte ich
Gelegenheit Carlton Moody CM) und Richard Bell (RB) zu treffen und
ihnen ein paar Fragen zu stellen.
AF: Euer neues Album heisst “Disciples of the Truth (Jünger
der Wahrheit)”. Wessen Jünger seid ihr?
CM: Wir sind die Jünger der Wahrheit, der Burrito Deluxe.
AF: Was wollt Ihr mit Eurem Album verkünden?
CM: Wir hatten verschiedene Wechsel in der Band. Jetzt sind wir
eine Band, deren Mitglieder viele Songs beisteuern können.
Wir wollten all diese Einflüsse aufnehmen. Die Basis ist Country,
aber es ein Hybrid der Beiträge der einzelnen Bandmitglieder.
Es ist kein Gospel Album.
AF: Ihr macht schon sehr lange Musik. Habt Ihr immer noch neue
Ideen? Etwas das Ihr noch nie gemacht habt?
CM: Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir immer noch da sind. Wir
wollen rausgehen und lachen und das Beste geben.
RB: Musik ist für mich die Übersetzung von dem was ich
erlebe. Wenn wir zusammen sprechen habe ich neue Ideen und das bringe
ich in die Musik ein. Ich kann besser mit Musik als mit Worten kommunizieren.
|

|
|
AF: Besteht nicht gerade wegen Eurer Erfahrung die
Gefahr, dass Ihr in alte Muster fällt?
CM: Nein, gar nicht. Es gibt einen Ehrencode, dass man nicht einfach
andere kopiert. In diesem Projekt hatten wir immer wieder neue Ideen
wie es klingen sollte und es ist unsere Musik, unser eigener Sound
entstanden.
AF: Wie grenzt Ihr Euch zur heutigen Mainstream-Musik ab?
RB: Das ist genau der Punkt, weshalb wir nach Europa kommen wollen.
Ihr nehmt uns als Musiker wahr und anerkennt unsere Arbeit. Wir
müssen nicht im Mainstream fliessen, damit wir Beachtung finden.
Ihr seid unserer Musik treu, ihr würdet meine Musik sogar schätzen,
wenn sie mich auf einer Bahre auf die Bühne tragen müssten.
AF: Ihr wart dabei, als die moderne Country Musik und der Country
Rock entstand. Hat sich diese Musik richtig weiterentwickelt?
CM: Die Musikindustrie sucht immer nach neuem Sound. Das Problem
ist, dass er dann unendlich multipliziert wird und ausgebeutet wird,
bis wieder etwas Neues aktuell ist. Was ich aber an sehr guter Musik
höre, wird oft gar nicht im Radio gespielt. Es wird viel Retortenmusik
geschaffen, nur um damit Geld machen zu können. |
AF: Passt Eure Musik am besten ins Americana Format?
CM: Dort beginnt es sicher. Man müsste es vielleicht etwas
weiter fassen. Ich würde es Country Roots Musik nennen.
RB: Unsere Zeit ist dominiert von der Fast Food Generation. Wenn
man aber aufs Land geht gibt es immer noch Leute, die auf der Veranda
sitzen und die ursprüngliche Country Musik spielen. Wir versuchen
traditionell zu bleiben und diese Werte zu erhalten.
AF: Trotzdem seid auch Ihr zu einem gewissen kommerziellen Erfolg
gezwungen. Gibt es da Kompromisse?
CM: Natürlich wollen wir mit unserer Musik auch etwas verdienen.
Aber niemand hat uns bei der Entstehung dieses Albums aufgefordert
unseren Sound anzupassen, damit er sich besser verkaufen lässt.
Das ist unsere Musik, zu der wir stehen.
AF: Ihr geht auf Tour mit Eurem neuen Album?
CM: Ja, am 10. Juli fahren wir nach Europa. Wir sind in England,
Spanien und in Frankreich. Für die Schweiz waren wir zu spät.
Als wir alles zusammen hatten, waren die Festivals schon ausgebucht.
AF: Das ist ja sicher nicht das Letzte Mal, das Ihr nach Europa
kommt?
CM: Nein, nein, bestimmt nicht. Nächstes Mal wollen wir unbedingt
in die Schweiz kommen.
|

Charlton Moody, Martha Moore (Publizistin), Arthur
Furrer (Interviewer), Richard Bell
|
| AF: Carlton und Richard, ich bedanke mich für dieses
Interview und hoffe Euch bald wieder live in der Schweiz erleben zu
können. |
| |
|
|
|